Fahrradurlaub im Allgäu

Dann geht’s nur noch bergab...

Pause beim Radl-Spaß ohne Ende
Irgendwo wartet immer eine deftige Brotzeit mit herzhaftem Käse
Über soviel Fitness der Radler staunt die Kuh. Fotos: Kleinwalsertal Tourismus

Radeln vor den Kulissen der Allgäuer Bergwelt, auf breiten, geteerten Straßen und weit und breit kein Auto – unmöglich? Nicht im Hintersteiner Tal unweit des Kurortes Hindelang. Ziel des rund zehn Kilometer langen Radweges ist Alpgaststätte „Giebelhaus“, hinter dem sich die ersten schroffen Berghänge des Imberger Horns abzeichnen.

Durchs Hintersteiner Tal zum Giebelhaus

Das Gerücht hält sich hartnäckig: 300 Höhenmeter müssen auf der 10 Kilometer langen Strecke durchs Hintersteiner Tal zum Giebelhaus überwunden werden. 300 Höhenmeter, 10 Kilometer – die Zahlen graben sich tief ins Bewußtsein. Bilder der Tour de France laufen wie ein Film vor dem inneren Auge ab: Jan Ullrich wie er sich schnaufend und schwitzend den Cole de Madeleine hinaufquält, vor ihm Lance Armstrong, der schon längst im Sattel steht und trotzdem nur im Schrittempo weiter kommt, und aus dem Off erklingt die Stimme des ARD-Reporters „Sehen Sie in diese Gesichter – der Berg fordert alles“.

Abrupt reißt uns eine Stimme zurück ins Hier und Jetzt. „Alles Quatsch, hört sich schlimmer an als es ist“, so die Reiseleiterin Petra Eimansberger. Und überhaupt, wenn dann sind das nur 100 Höhenmeter auf einer acht Kilometer langen Strecke, eine Steigung, die kaum der Rede wert sei: „In einer halben Stunde haben wir das geschafft – und danach geht’s dann nur noch bergab.“

Zuversicht macht sich breit, der Ehrgeiz ist geweckt. Keiner gibt sich die Blöße und steigt vom harten Sattel des Mountainbikes ab, um sich in die weichen Sessel des Busses fallen zu lassen. Denn für Autos ist das Naturschutzgebiet Hintersteiner Tal total gesperrt. Eine Ausnahme gibt es nur für den „Besenwagen“ – den Linienbus, der stündlich zwischen Bruck, Bad Oberdorf und dem Gasthaus hin- und herfährt, um aus der Puste gekommene Fußgänger oder Radler einzusammeln.

Per Pedes geht’s weiter

 

Denn die Strecke ist trügerisch, fängt sie doch gemächlich an, um sich dann kontinuierlich zu steigern. Ein Anstieg, der sich wie ein Kaugummi in die Länge zieht. Also runter von den hohen Gängen und stärker in die Pedale getreten. Die Hilferufe der nicht vorhandenen Oberschenkelmuskulatur werden achtlos überhört, doch die rächt sich auf ihre Weise: Kaum dass das erste Drittel der Strecke hinter uns liegt, zwingt sie die ersten Untrainierten zum Absteigen. So geht’s für viele per pedes weiter. Und zum ersten Mal bleibt Zeit, den Blick schweifen zu lassen: über die Berge, die sich links und rechts in die Höhe recken, die satten Grüntöne der Wälder und Wiesen, den kleinen Gebirgsbach, der sich durch die Felsen schlängelt.

Mit dem letzten Anstieg, der schnaufend und schiebend genommen wird, öffnet sich das Hintersteiner Tal – ein weite grasgrüne Ebene, durch die sich der Radweg „bretteleben“ zum „Giebelhaus“ schlängelt. Doch bevor es weitergeht, gibt’s eine Pause für die geschundenen Glieder: Wassertreten im eiskalten Gebirgsbach, danach Sonnentanken in den endlos scheinenden Wiesen.

Das Zwicken in den Oberschenkeln und die Anstrengungen der ersten Hälfte sind längst vergessen, als die Räder in den Biergarten des Gasthauses rollen. Bei hausgemachter Wurst und Käse und einem kühlen Schluck „Radler“ (Alsterwasser) gehört auch die anfängliche Diskussion um Höhenmeter und Kilometer schnell der Vergangenheit an. Und bei einem hatte Petra ja recht gehabt: Wenn man erst mal oben ist, dann geht’s nur noch bergab. Ja, wenn...

Ingrid Ort

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Tipps für Reisen

Informationen

Tourismusverband Allgäu-Bayerisch-Schwaben,
Fuggerstr. 9,
86150 Augsburg,
Tel. 0821/450 40 10,
Fax 0821/45 04 01 20,
E-Mail: info(at)tvabs.de

Infos zum Fahrradverleih

Haben Sie Lust auf eine Radtour im Allgäu bekommen? Strecken gibt es genügend – nicht nur für durchtrainierte Radler. Wer möchte, kann dabei sein eigenes Rad von Zuhause mitnehmen: Der sogenannte „Fahrradexpress“ pendelt an den Wochenende und Feiertagen in der Hauptsaison (bis 31. Oktober) jeweils um 9.26 Uhr für 6,60 EURO von Kempten nach Oberstdorf.

Kurzentschlossene oder Reisende, die nur einzelne Tagestouren unternehmen wollen, finden in den bekanntesten Urlaubsorten des Allgäus Sport- und Fahrradgeschäfte, die Bikes und geführte Touren anbieten. Die Preise variieren dabei – je nach Fahrradtyp und Leihdauer:

Sport Weibel, Unterer Buigenweg 1, 87541 Hindelang, Telefon 0 83 24/25 28 oder www.sport-waibel.de

Trekkingräder (21 Gänge) von 7 EURO (1/2 Tag, ab 12 Uhr) bis 55 EURO für 7-Tage-Woche; Wochenendpreise: Samstag/Sonntag 16 EURO; Freitag bis Sonntag 21 EURO

Mountainbikes (28 Gänge) von 8 EURO (1/2 Tag, ab 12 Uhr) bis 65 EURO für 7-Tage-Woche; Wochenendpreise: Samstag/Sonmtag 21 EURO; Freitag bis Sonntag 26 EURO

Kinderräder von 6 EURO (1/2 Tag, ab 12 Uhr) bis 40 EURO für 7-Tage Woche, Wochenendpreise: Samstag/Sonntag 11 EURO und Freitag bis Sonntag 16 EURO

Zubehör wie Kindersitze oder Helme können ebenfalls gemietet werden.

Radsport Heckmair, Nebelhornstraße 46, 87561 Oberstdorf, 0 83 22/22 10 oder www.heckmair.de

Tourenräder mit 7 Gängen pro Tag 7,50 EURO und pro Woche 43 EURO
Mountainbikes mit Federgabel und 27 Gängen pro Tag 15 EURO und 90 EURO pro Woche; Preis für vollgefederte Mountainbikes und 27 Gängen sowie vollgefederte Testmountainbike vollgefedert (verschiedene Systeme) auf Anfrage.

Kinderanhänger und anderes Zubehör wie Helme oder Kindersetzte kann ebenfalls geliehen werden. Für alle Radarten sind bei längerer Mietdauer Rabattstaffelung möglich.

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