Die neun Inseln werden geographisch in eine West-, Zentral- und Ostgruppe unterteilt. Als abwechslungsreichste Azoreninsel gilt São Miguel. Sie vereint landschaftliche Höhepunkte wie dicht bewachsene Lavazungen und in verschiedenen Farben schimmernde Kraterseen. Heiße Quellen und Thermalbäder im Tal von Furnas sorgen für Wohlbefinden und Entspannung. Vielerorts, wie z. B. bei der Caldeira Velha oder an der Küste treten heiße, z. T. unterseeische Quellen zutage, die an kühleren Tagen ein wärmendes Bad erlauben. Die Erdwärme wird auch zum Kochen genutzt: Das „cozido“ (verschiedene Fleischsorten mit Gemüse) wird in großen Töpfen in der Erde gegart.
Zugleich ist São Miguel die touristisch am meisten erschlossene der Inseln. Ein bizarres Farbschauspiel bieten die „Caldeira das Sete Cidades“ – die wohl berühmtesten und größten Kraterseen der Inselgruppe. Einer Sage nach füllten die Tränen einer Prinzessin und eines einfachen Hirten, die unglücklich verliebt waren, die blaue Lagoa Azul und die türkisgrüne Lagoa Verde. Der Nordosten der Insel ist noch sehr ursprünglich und wild.
Bei insgesamt mehr als 700 Kilometer Küste laden zahlreiche Buchten und Strände zum Baden ein, die schönsten davon auf der beschaulichen Insel Santa Maria. Mancherorts ließ die Naturgewalt des Meeres natürliche Schwimmbecken in den Vulkanfelsen entstehen. Eine Reise ins Innere der Erde ist die Besichtigung vulkanischer Stollen und Gänge sowie erloschener Krater. Durch die Furna da Enxofre kommen Besucher auf Graciosa dem Erdinneren am nächsten. Durch einen Vulkanschlot geht es in die Höhle der Unterwelt hinab.
Auf dem Weg zwischen der neuen und der alten Welt gelegen, entwickelten sich die Azoren schnell zum beliebten Hafen für Handelsschiffe. Dieser Tradition folgend, etablierte sich vor allem Horta auf Faial zum Ankerpunkt für Weltenbummler. Die bunte Kaimauer, auf der sich unzählige Segler verewigt haben, macht Horta zum wohl farbenprächtigsten Yachthafen der Welt. Neben einer blauen Hortensienpracht (insgesamt über 14.000 Kilometer an Hortensienhecken!), weswegen die Insel auch die Ilha Azul, die blaue Insel, genannt wird, überrascht Faial durch eine Mondlandschaft, die beim letzten Vulkanausbruch von 1958/59 entstand und der Insel „neues“ Land, die Capelinhos, bescherte. Die Mitte der Insel wird beherrscht durch die Caldeira, einen Krater, in dessen Mitte sich ein weiterer Krater gebildet hat. Das dunkle Lavagestein wurde vielerorts als Baumaterial genutzt und prägt das Erscheinungsbild der Insel.
Absoluter Höhepunkt ist die Besteigung Vulkanes Pico auf der gleichnamigen Insel. Mit seinen 2351 Metern ist er der höchste Berg Portugals, der manchmal sogar im Sommer noch mit Schnee bedeckt ist. Walfänger aus den USA entdeckten die Azoren als Walfanggebiet und gründeten in Pico eine Walfangstation (bis 1983) - heute idealer Ort für Walbeobachtungen. Von Juni bis September zieht es mehr als 20 Walarten zur Nahrungsaufnahme in die Gewässer rund um die Azoren. Die meisten Whale-Watching Ausflüge werden von Faial und Pico angeboten. Mit etwas Ausdauer und Glück kommen die Meeresriesen und auch Delfine fast zum Streicheln nahe an die Boote heran. An den Walfang erinnert heute nur noch das Museo das Baleiros in Lajes do Pico und alte Fotos an den Wänden einiger Bars.Des weiteren ist Pico bekannt für seinen Wein, der von Mauern aus Lavasteinen geschützt, der Landschaft noch einmal mehr seinen Stempel aufdrückt.
Eine sehr bergige Landschaft findet sich auf São Jorge. Einsame Landstriche lassen sich während ausgedehnter Wanderungen erkunden. Die meisten Menschen leben auf so gennnten Fajãs, fruchtbaren Ebenen am Fuße der steil abfallenden Küste.
Angra do Heroismo auf der Insel Terceira, im 16. Jahrhundert erbaut und war im Zeitalter der Entdeckung der Handelsrouten nach Südamerika und Asien einer der wichtigsten Versorgungshäfen im Atlantik. Durch ein Erdbeben wurde die Stadt 1980 zerstört, später jedoch zum Teil originalgetreu wieder aufgebaut und von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Renaissance-Stadt war im Laufe ihrer Geschichte sogar zweimal die Hauptstadt Portugals.
Auch hier sind Spuren des vulkanischen Ursprungs des Archipels zu finden. In der Höhle von Algar do Carvão geht es 1000 m hinab in die Tiefe. Der Weg ist gesäumt von Stalagmiten und Stalagtiten. Durch einen Spalt im Felsen dringt Licht ein und lässt ein eigenartiges Szenario entstehen. Nahe der Höhle dampft es bei den Schwefelquellen Furnas do Enxofre.
Weit ab im Westen liegen die Inseln Flores und Corvo. Hier wird eine noch langsamere Gangart eingelegt. Die Bevölkerung lebt im Einklang mit der Natur und der Fischfang beherrscht das soziale Leben. Nichts scheint wichtiger zu sein, als gutes Angelwetter. An diesem westlichsten Ende Europas stürmt es mehr als auf den Schwesterinseln, jedoch gelten sie als die schönsten Wanderinseln der Azoren.
Die geografische Lage
Politisch gesehen gehören die Azoren zu Portugal. Die geografische Zuordnung ist etwas vielfältiger. Der Archipel liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken, genau zwischen der Eurasischen und Afrikanischen Platte im Osten und der Amerikanischen Platte im Westen.
Dies hat zur Folge, dass sich die Inseln Corvo und Flores, auf letzterer Platte gelegen, jährlich ca. 8 bis 15 cm in Richtung Westen bewegen. Die restlichen Inseln liegen auf einer kleinen Mikroplatte.
Das Azorenhoch
Bekannt aus der Wettervorhersage beeinflusst dieser bei den Inseln entstehende Lufthochdruck das Wetter in Europa. Bereits Anfang in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erforschte Prinz Albert von Monaco den Einfluss der Wetterverhältnisse auf den Azoren auf Europa. Noch heute liefern Daten von den Azoren wichtige Informationen für den europäischen Kontinent.
Die Telegrafenkabel – Verbindung zwischen neuer und alter Welt
Aufgrund seiner günstigen Lage zwischen den Kontinenten wurde 1893 die erste Telegrafenverbindung von Europa nach Amerika über Horta verlegt. In den 30er Jahren war Horta mit 15 Kabeln einer der wichtigsten Knotenpunkte für Telegrafenkabel weltweit, darunter ein Kabel der Deutsch-Atlantischen-Telegrafengesellschaft von der Insel Borkum nach Horta. Mit der Entwicklung der Funktechnik verlor das Telegrafenkabel zunehmend an Bedeutung und 1969 stellte die letzte Kabelgesellschaft auf Horta ihren Betrieb ein.
Wasserflugzeuge in Horta
Mit dem Besuch von Charles Lindbergh im Jahre 1933 begann für Horta der wichtige Zeitabschnitt des Luftverkehrs. Im Auftrag von Pan American prüfte der berühmte Pilot die Eignung Hortas als Zwischenstation für Transatlantikflüge. Als erste Fluggesellschaft führte jedoch die Lufthansa von 1936 bis 1938 zahlreiche Flüge mit so genannten Katapultflugzeugen mit Zwischenlandung Horta durch. Später folgte die Pan American mit riesigen Wasserflugzeugen.