Bambergs doppeltes Gesicht

Bierkultur "auf’n Berg"

Klein Venedig in Bamberg. (Foto: Ingrid Ort)

Seit Jahrhunderten besteht die Feindschaft zwischen den Franken und Bayern, die alles, was nördlich des Weißwurst-Äquators liegt, gern abschätzig beobachten. Vor allem die Bierkultur gilt den Bayern als typisch bairisch und damit heilig. Doch gerade hier haben die Franken die Nase vorn: Eindrucksvoll zeigen die Bamberger, dass Bier und Kultur auch in Franken zusammengehören.

Bierkultur in Franken

Der Weg durch die Eisgrube ist eine einzige Qual. Durch die dünnen Sohlen ist jeder Pflasterstein zu spüren. Die neuen Schuhe scheuern Blasen auf. Doch der Weg soll sich lohnen - ein einzigartiger Blick über Bamberg, den Dom und den Michelsberg. Ach ja, und dieses Bier. Nirgends schmecke das Bier so gut, wie hier auf dem Keller. Und nirgends kühle ein Bier so gut, wie hier auf dem Keller. Die aufmunternden Worte des Stadtführers wirken wie purer Hohn. Denn ganzen Tag schon ging es bergauf, bergab - von der Bürgerstadt hinauf zum Dom, dann zum Michelsberg, wieder hinunter zum alten Rathaus und zu Klein Venedig. Und jetzt das: Der steile Anstieg die Eisgrube hoch. "Nauf'n Keller" wie es bei den Bambergern heißt.

Klar gibt es im Stadtgebiet mehrere Brauereigaststätten wie das "Schlenkerla" in der Sandstraße und nur einen Steinwurf von "Klein Venedig" entfernt. Doch wer Bamberg wirklich kennen lernen will, "der muss die Keller g'sehn ham", so der Stadtführer. Wer glaubt, die Keller seien unterirdisch, irgendwo in der Altstadt, der irrt gewaltig. Die Keller sind im Bamberg "auf'n Berg", eingemeißelt in den harten Felsen, die bis zur Erfindung der Kühlanlagen im 19. Jahrhundert als kühlendes Lager für das Bamberger Bier dienten. Irgendwann zum Ausgang des 19. Jahrhunderts stellten findige Brauer Tische und Stühle vor den Lagerraum, schenkten Bier frisch vom Fass aus und etablierten somit die Kellerkultur.

Geräucherter Schinken zum Trinken

Drei davon gibt es allein noch am Stephansberg. Der "Spezi-Keller", schräg gegenüber der Sternwarte und des E.T.A. Hoffmann-Gymnasiums, das in den 70er Jahren als Schauplatz der Erich Kästner-Verfilmung des Romans "Das fliegende Klassenzimmer" fungierte, ist der Altstadt am nächsten und gilt als Treffpunkt der Jugendlichen. Und wirklich, der Stadtführer hat recht, der Ausblick entschädigt für den harten Aufstieg. Doch der erste Schluck Bier ist mehr als gewöhnungsbedürftig: Ein flüssiges Etwas, das wie geräucherter Schinken schmeckt, macht sich im Mund breit. "Rauchbier", erklärt der Führer wissend, "eine Bamberger Spezialität". Wem es nicht schmeckt, den lotst er weiter den Berg hoch: Zum "Mahr-Keller", dem Stammlokal von Günter Strack in der Krimiserie "Der König", oder auf den "Wilde Rose Keller" - die beide auch "normales, ungespundendes Bier" im Angebot haben. "B'stellns einfach a U - des passt immer'", so der Rat des Stadtführers. Wie recht er doch hat.

Ingrid Ort

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Tipps für Reisen

Anfahrt

Die Bierstadt Bamberg liegt verkehrstechnisch günstig zwischen den Autobahnen A 70 (Würzburg-Bamberg-Bayreuth), die damit die A 7 (Hamburg-Würzburg) und die A 9 (Nürnberg-Berlin) miteinander verbinden.

Da Bamberg ein wichtiger Eisenbahn-Knotenpunkt auf der Strecke Berlin/München ist, kann die Stadt auch bequem mit dem Zug erreicht werden.

Information

Weitere Informationen unter Tel. 0951/ 87 11 61 oder im Internet unter www.bamberg.de

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