Katalanische Metropole am Mittelmeer

Lebensfreude rund um die Uhr

Katalonien, Barcelona. Die Kolumbus-Statue trohnt auf einer 50-Meter hohen Eisensäule.
Der Park de l'Espanya Industrial beim Bahnhof Sants. (Fotos: edition Vasco)

Wer nach Barcelona kommt, kann Sehenswürdigkeiten abhaken - und er wird begeistert sein. Er kann aber auch hineintauchen in den Zeitgeist, in die Phantasien des jungen Spaniens. Er kann sich anstecken lassen von einer Lebensgier, die scheinbar keine Pause kennt. Und er wird ein Stück von der Seele Barcelonas verstehen. Denn nach Franco besannen sich die Barcelonesen wieder auf ihren katalanischen Ursprung. Die Jugend ist auf der Suche nach einer neuen, eigenen Identität.

Das gotische Viertel, die Jugendstil-Architektur, die Ramblas und das Olympiagelände in Barcelona

Wie eigenwillig Barcelona ist, verspürt der Besucher gleich bei der Ankunft. Hier wird nicht Spanisch gesprochen, sondern Katalanisch. Der Spanischkurs der Volkshochschule hilft kaum weiter, denn seit Barcelona 1977 wieder Hauptstadt der autonomen Provinz Katalonien wurde, ist Katalanisch Sprache Nummer 1. Alle Gebäude und Straßennamen wurden umbenannt. Der Spanisch beschriftete Stadtplan nutzt also herzlich wenig. Barcelona ist stolz und widerspenstig. Das haben die Regierenden im fernen Madrid immer wieder verspürt.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, das gotische Viertel, die Jugendstil-Architektur, die Ramblas und das Olympiagelände sollten bei der Besichtigungstour nicht fehlen. Einiges ist gut zu Fuß, anderes leichter mit dem Sightseeing-Bus "Bus 100" zu erreichen. Größere Entfernungen, etwa zur Sagrada Familia oder zu den olympischen Einrichtungen, können auch gut mit dem Bus oder der Metro zurückgelegt werden.

Einen ersten Eindruck von der Stadt vermitteln die Ramblas, die bekannteste Flanierstraße Spaniens. Ausgangspunkt: die Plaça Catalunya. Barcelona wie es leibt und lebt. Cafés, fliegende Händler, Bänke zum Ausruhen und Beobachten, Vogelmarkt, Zeitungskioske, Blumenverkäufer, Alleinunterhalter, Künstler, Musiker, Pantomimen. Aber auch Scharen von Taschendieben, die sich fingerfertig ihr täglich Brot verdienen.

Die Ramblas in Richtung Hafen, dann nach links ins Barri Gòtic, durch enge Gassen zur riesigen Kathedrale, zu Höfen und Palästen. Zeugen in Stein aus der Glanzzeit Barcelonas im Mittelalter. Zurück auf die Ramblas, hinunter zum Kolumbusdenkmal, vielleicht ein Spaziergang zum Hafen?

Vom nahen Plaça de Espanya (mit der Metro), dem Eingangstor zur Weltausstellung von 1929, führt der Weg zum Montjuic, einem der beiden Hausberge Barcelonas. Da liegt einmal das Poble Espanyol, eine Art Minispanien, mit Souvenirläden, Cafés und Restaurants, dann der Parc d'Attraccions, einer von zwei Vergnügungsparks (der andere ist auf dem Tibidabo) und die Fundació Joan Miró, mit einer umfangreichen Sammlung an Werken des katalanischen Künstlers.

Spannend zu sehen: das Olympiagelände. Das Stadion, dessen Fassade von 1929 stammt und mit integriert wurde, die Vielzweckhalle Palau Sant Jordi und die in klaren Formen gehaltene Schwimmanlage. So wird ein Besuch auf dem Montjuic schnell zum Tagesausflug.

Antoni Gaudi - der Schöpfer des katalanischen Jugendstils

Ein anderer Grund, Barcelona zu besuchen, ist sicher ein Mann und eine hauptsächlich von ihm geprägte Stilrichtung: Antoni Gaudi und der katalanische Jugendstil, der Modernisme. Imposantestes Wahrzeichen dieses Stils ist die Sagrada Familia. 1883 wurde der Bau dieser Kirche begonnen, riesengroß konzipiert, wegen finanzieller Probleme oft unterbrochen, bis heute unvollendet. Und es wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern, bis das von Gaudi geplante "Meisterwerk des Modernisme" fertig sein wird - Kathedralenbau wie im Mittelalter.

Weiter auf dem Weg durch Barcelonas "Architekturmuseum": Entlang des Passeig de Gràcia, der quer durch das Viertel Eixample führt, liegen eine ganze Reihe von Häusern aus dieser Zeit, die Casa Battló (Nr. 43), Pedrera (Nr.92). Nicht versäumen: den Parc Güell. Eine Gartenstadt hätte hier entstehen sollen, mit parzellierten Grundstücken. Die Idee scheiterte jedoch, da nur zwei Bauplätze verkauft wurden. Stattdessen wurde die Anlage zu einem öffentlichen Park. Sehenswert: das Gaudi-Museum.

Das "neue" Leben Barcelonas: Gefeiert wird ganz exzessiv nach Mitternacht. Motto: Wenn in anderen Städten die Gehsteige hochgeklappt werden, legen die Barcelonesen erst richtig los. Die ganze Stadt im Disco-Sound. Viele der "in"-Tempel, wo sich die "gente guapa" (Beautiful people) treffen, haben einen Türsteher, der die Mischung bestimmt. Beliebter Startplatz der Nachtschwärmer: die Szene-Treffs an der Moll de la Fusta mit viel Watt und chromblitzendem Design. Erst einmal drin, steht dem Disco-Hopping nichts mehr im Weg. Anschluss ist schnell gefunden - und sechs Stationen in der zweiten Nachthälfte müssen schon sein. Denn wie lautet ein Wahlspruch Barcelonas? "Més que mai" - "Barcelona, mehr denn je!"

Wolfgang Seitz

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Tipps für Reisen

Infos

Der Flughafen El Prat liegt südlich von Barcelona, etwa zwölf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Der Flughafenzug und der moderne, behindertengerechte Aerobus, verkehren regelmäßig zwischen Flughafen und Plaça Catalunya.

Sightseeing

Es gibt einen eigenen Sightseeing-Bus ("Barcelona Singular", Bus 100), der in den Sommermonaten von Ende Juni bis Mitte September alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt anfährt. Ein Ticket reicht für den ganzen Rundtrip. Man kann beliebig oft ein- und aussteigen - und erhält an den verschiedenen Punkten ermäßigten Eintritt.

Klima

Warme Sommer und milde Winter lassen einen Trip nach Barcelona das ganze Jahr hindurch zu. Meiden sollte man den Juli und August: Er ist sehr heiß, und es sind viel zu viele Touristen in der Stadt.

Kultur

Seit Francos Tod 1975 ist in Barcelona wieder etwas geboten: Oper, Ballett, Schauspiel, Puppentheater, Pantomime, Zauberei, Kabaretts und Varietés. Wann was los ist steht im "Guía de Ocio". Information und Vorverkauf: Palau de la Virreina, Rambles 99.

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