CMT 2008: Reisetrends

Wohin die Reise 2008 geht?

Ferien im eigenen Land galten vor zehn oder zwanzig Jahren als Gegenteil von aufregend und trendy. Doch der Wind hat sich gedreht. 30,2 Millionen Urlaubsreisen unternahmen die Bundesbürger 2006 innerhalb Deutschlands. Damit konnte die Destination Deutschland den beliebtesten Auslandszielen wie Spanien, Österreich und der Türkei Marktanteile abnehmen. Während die Zahl der Urlaubsreisen ins europäische Ausland und ans Mittelmeer gegenüber 2003 um 4 Prozent zurück ging, legte Deutschland im selben Zeitraum um knapp 10 Prozent zu.

Nach Informationen der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) machten die Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern (+15,4 Prozent Übernachtungen) und Schleswig-Holstein (+8,3 Prozent) von Januar bis Mai 2007 den größten Sprung nach vorn. Baden-Württemberg liegt mit einem moderaten Wachstum von 3,3 Prozent im Mittelfeld. „Bestseller“ bleiben auch Deutschlands Metropolen, die ihre seit Jahren überdurchschnittlichen Zuwachsraten auch in diesem Jahr halten können: Spitzenreiter in den ersten fünf Monaten ist Frankfurt/Main mit einem Übernachtungsplus von 8 Prozent, gefolgt von Hamburg (+5,1 Prozent), München (+4,8 Prozent), Köln (+4,6 Prozent) und Berlin (+4,4 Prozent). Vom anhaltenden Hauptstadt-Boom profitiert auch das benachbarte Brandenburg (+5,2 Prozent). Gegen den Trend entwickelten sich die Übernachtungszahlen in Stuttgart mit –2 Prozent leicht rückläufig, was auf die Sondereffekte durch eine zusätzliche große Fachmesse und die Fußball-WM 2006 zurückzuführen ist. Im Vorjahr hatte die Landeshauptstadt mit einem Plus von 15 Prozent einen neuen Übernachtungsrekord aufgestellt.




Pauschalreise unter Druck / Reiseintensität der Deutschen steigt

Zwar werben die Reiseveranstalter gern mit sinkenden Preisen für einzelne Urlaubsregionen, doch unter dem Strich haben sich die schönsten Wochen des Jahres im Sommer 2007 spürbar verteuert: Das Statistische Bundesamt ermittelte gegenüber der Hochsaison 2006 einen Anstieg der Katalogpreise um 2,6 Prozent, bei Ferienhäusern sogar um 3,8 Prozent. Die Reise-Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F.U.R.) ermittelte für 2006 durchschnittliche Reiseausgaben von 837 Euro pro Person (1995: 721 Euro). Im Frühjahr prognostizierten Marktforscher für 2007 einen deutlichen Anstieg des „Reisefiebers“. Verglichen mit dem WM-Jahr, in dem 68 Prozent der Bundesbürger in Urlaub fuhren, würde sich die Reiseintensität um drei Prozentpunkte auf 71 Prozent steigern.

Allerdings haben weder die Aufhellung des Konsumklimas, noch die sinkende Arbeitslosigkeit und ansehnliche Tarifabschlüsse den Bundesbürgern in diesem Jahr so recht Lust auf die klassische Flugpauschalreise machen können. Nach Einschätzung von Branchenexperten ist die Konjunkturbelebung bei den Verbrauchern nicht angekommen. Deutschlands führende Reiseveranstalter sangen 2007 den „Sommerblues“. Entgegen allen Erwartungen verzeichnen TUI, Neckermann und Co. ausgerechnet in der wichtigen Hochsaison einen spürbaren Nachfrageknick. Schon im Juni reduzierten Ferienflieger wie TUIfly und Condor ihre Kapazitäten Richtung Balearen, Kanaren und Griechenland und versuchten, die schleppende Nachfrage im Einzelplatzgeschäft mit Billigsttickets ab 4 Euro zu stimulieren. Erst der in Deutschland weitgehend verregnete Sommer führt seit Anfang Juli zu einem deutlichen Nachfrageschub in den Reisebüros.

Internet als Buchungsplattform

Allerdings belegen langfristige Trends, dass die klassische Pauschalreise – das Brot- und Butter-Geschäft der meisten Veranstalter – generell unter Druck geraten ist: Während 2001 noch 45 Prozent aller Urlaubsreisen über fünf Tage in dieses Segment fielen, waren es nach einer Statistik des Deutschen Reise-Verbandes (DRV) 2006 nur noch 34 Prozent. Überkapazitäten bei Hotels und Flugzeugen sorgen außerdem dafür, dass im Massengeschäft die Margen gering bleiben. Zwar bleibt die Reise-Intensität der Bundesbürger stabil, doch die Art, wie sie ihren Urlaub organisieren und buchen, wandelt sich gegenwärtig dramatisch. Zuwachsraten vermelden Veranstalter, die auf individuelle Baustein-Programme setzen. Vor allem aber nutzt eine stark steigende Anzahl von Kunden das Internet nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als Buchungsplattform. Jeder fünfte Erwachsene hat bereits online touristische Dienstleistungen gebucht – doppelt so viele wie 2003. Einer aktuellen Umfrage des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR) zufolge haben 7 Millionen Deutsche online Unterkünfte gebucht, gefolgt von Flugtickets (5 Millionen), Pauschalreisen und Reisebausteine (4 Millionen) und Fahrkarten (3 Millionen). Das Internet emanzipiert die Urlauber von den Reiseveranstaltern. Sie erhalten online heute Informationen und Buchungsmöglichkeiten, über die früher nur die Veranstalter verfügten.

Starkes Comeback der Türkei

Unter den Massenzielen auf der Mittelstrecke kann dieses Jahr insbesondere die Türkei punkten. Ein Jahr nach dem schweren Einbruch erlebt das Land ein starkes Comeback aus dem deutschen Markt, das Marktführer Öger Tours mit einem Plus von 16 Prozent bei den Teilnehmern quantifiziert. Möglicherweise kann die Türkei damit den 2006 verlorenen dritten Rang in der Beliebtheitsskala vor Österreich zurückerobern. Für westeuropäische Zielländer wie Frankreich, die Niederlande und Österreich ermittelt die Reise-Analyse seit Jahren rückläufige Gästezahlen aus Deutschland. Spanien dürfte seine herausragende Führungsposition in diesem Jahr weiter stabilisieren. 14 Prozent aller Urlaubsreisen der Bundesbürger haben die Balearen, Kanaren oder das spanische Festland als Ziel, auf Rang 2 folgt traditionell Italien mit 7,3 Prozent. Kontinuierlich ansteigend ist die Reiselust der Deutschen Richtung Osten: Die neuen EU-Mitglieder Ungarn, Polen, Tschechien und Slowakei konnten ihren Marktanteil seit 1995 von 5,3 auf 7,3 Prozent steigern.

Dubai und der Ferne Osten beliebt

Das Fernweh lockt die Bundesbürger in diesem Jahr wieder verstärkt auf andere Kontinente. Dabei fällt auf, dass die USA als bedeutendstes Übersee-Ziel und sein Nachbar Kanada trotz des günstigen Dollar-Kurses stagnieren. Dertour, Deutschlands Marktführer im Fernreise-Segment, registriert dagegen eine deutliche Erholung bei der Karibik und Mexiko mit einem Plus von 10 Prozent. Der Vordere Orient profitiert vom Boom nach Dubai (+11 Prozent). Das stärkste Wachstum registriert Dertour allerdings für den Fernen Osten mit einem Zuwachs um 15 Prozent. Auch die exotischen Inseln im Indischen Ozean – Malediven, Mauritius und Seychellen – liegen zweistellig im Plus.

Kreuzfahrten: Stabiles Wachstum auf hohem Niveau

2006 markierte für die deutsche Kreuzfahrtbranche einen Meilenstein: Zum ersten Mal unternehmen mehr als eine Million Bundesbürger Urlaubsreisen auf dem Meer und auf Flüssen. Für den neuen Rekord sind jedoch allein die Hochseekreuzfahrten verantwortlich, die mit 710.000 Passagieren erneut um 10 Prozent zulegten. Dagegen mussten die Flusskreuzfahrten mit 310.000 Fahrgästen 2006 einen Rückgang von knapp 5 Prozent hinnehmen. Marktführer Aida wird nach der Premiere seines Neubaus „Aidadiva“ im April 2007 auch in den kommenden drei Jahren jeweils ein neues Schwesterschiff mit rund 2000 Betten in Dienst stellen und damit die Kapazität im deutschsprachigen Kreuzfahrtmarkt signifikant steigern. Auch die TUI will mit einem eigenen Schiff auf den Boom aufspringen.

Das Faulenzen kommt aus der Mode – auf Wellness folgt „Soulness“

Das „Faulenzen“ als klassischer Urlaubsinhalt kommt zunehmend aus der Mode. Immer mehr Reisende bereichern ihre Ferien mit speziellen Aktivitäten für Körper und Seele: Das solide Wachstum bei Fahrradreisen oder Wanderangeboten und die beliebte Kombination von Urlaub und Wellness unterstreichen diesen Trend. Trendforscher erwarten, dass in absehbarer Zeit auch die „Soulness“ einen festen Platz bei den bevorzugten Aktivitäten erobern wird: Reisen zu Inspiration, Meditation und geistiger Erbauung.

Golftourismus weiter im Aufwind

Der Golftourismus ist inzwischen für viele Zielregionen zu einer festen Größe geworden. In Deutschland hat sich die Zahl der aktiven Spieler zwischen 1995 und 2005 auf eine halbe Million verdoppelt. Beliebtestes Golfreiseziel ist bleibt Spanien, allerdings hat Deutschland stark aufgeholt und sich an die zweite Stelle geschoben – zu Lasten der nordafrikanischen Golf-Destinationen. 2005 gaben deutsche Spieler 1,3 Milliarden Euro aus, um auf fremden Greens zu putten. Rückläufig ist nach Angaben von Veranstaltern aber der frühere Trend, Golf im Urlaub zu erlernen. Ihre Platzreife erwerben deutsche Einsteiger heute in erster Linie in einheimischen Clubs.

Auf der CMT 2008 ausstellende Länder

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