Fährentest: Wie sicher sind Autofähren in Europa?

Immer noch „Seelenverkäufer“ unterwegs

Clodia, Baujahr 1980, verkehrt in Italien zwischen Cagliari (Sardinien) und Civitavécchia
Kronprins Frederik, Baujahr 1981, verbindet Rostock mit Gedser in Dänemark
Color Fantasy, Baujahr 2004. erfüllte als Testsieger die Bewertungskriterien zu beinahe 100 Prozent
Penelope A., Baujahr 1972, der Testverlierer kreuzt im Mittelmeer zwischen Mykonos und Rafina in Griechenland
Snav Sicilia, Baujahr 1974, unterwegs von Neapel nach Palermo und im ADAC-Test mit "mangelhaft" durchgefallen
Volcan de Tenagua, Baujahr 1967, verbindet Los Christianos (Teneriffa) mit Val Verde (El Hierro) und ist mit "mangelhaft" durchgefallen. Fotos: ADAC

Drei Schiffe von 30 sind beim ADAC-Fährentest 2005 wegen gravierender Mängel durchgefallen. Nur 57 Prozent der Schiffe haben die Bewertungskriterien voll erfüllt.

„Sicherheit auf dem Wasser ist bei vielen Reedereien anscheinend immer noch ein Stiefkind. Anders ausgedrückt: Der Profit kommt vor der Sicherheit für die Passagiere.“ Mit diesen Worten stellte Max Stich, ADAC-Vizepräsident für Tourismus, am Mittwoch in Hamburg die Ergebnisse des diesjährigen ADAC-Fährentests vor.

Rechtzeitig vor Beginn der Hauptreisesaison hatten die Tester insgesamt 30 Fähren auf der Ostsee, im Mittelmeer sowie den Kanaren unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist teilweise erschreckend: „Nach der letztjährigen positiven Testbilanz konnten die hochgesteckten Hoffnungen nicht erfüllt werden. Die Überprüfungen ergaben viel Mittelmaß, aber nur wenig Spitzenwerte. Die Sicherheit auf Fährschiffen in Europa lässt nach, je weiter man nach Süden kommt“, stellte Stich fest.

Während auf der Ostsee keine Fähre schlechter als "gut" abschnitt, kreuzen die Testverlierer allesamt im Mittelmeer und zwischen den Kanarischen Inseln. Die Penelope A, im Auftrag der Reederei Agoudimos Lines zwischen Mykonos und Rafina in Griechenland unterwegs, erhielt unter anderem wegen fehlender Kinderschwimmwesten, verschlossener Notausgänge und eines schlechten Gesamtzustands die Testnote "sehr mangelhaft". Ebenso eindeutig mit "mangelhaft" durchgefallen sind die Snav Sicilia, die Neapel mit Palermo verbindet, sowie die Volcán de Tenagua, die zwischen den kanarischen Inseln Teneriffa und El Hierro kreuzt.

Testsieger wurde in diesem Jahr das 2004 gebaute Fährschiff Color Fantasy der Reederei "Color Line", das auf der Strecke Kiel-Oslo fährt und die Testkriterien zu beinahe 100 Prozent erfüllt hat. Weitere sechs Schiffe, die von einem deutschen Hafen auslaufen, bekamen ebenfalls sehr gute oder gute Noten.

Stich kritisierte scharf, dass die ADAC-Experten teilweise massiv behindert wurden. Schiffskapitäne verweigerten Gespräche mit den Testern oder ließen wichtige Papiere nicht einsehen. Auf der "Snav Sicilia" durchsuchten Crewmitglieder sogar die Kabine des ADAC-Prüfers.

Der Club rät allen Urlaubern, die eine Fährpassage buchen wollen, sich vorab genau über die Sicherheitsstandards zu informieren. Gegenüber verantwortungslosen Reedereien sei man als Passagier nur durch umfassende Information und konsequentes Handeln geschützt. Der ADAC wird auch weiterhin darauf drängen, dass die geltenden Seerechtsvorschriften von älteren Fährbetreibern zur Sicherheit der Passagiere präzise eingehalten werden.

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reise-report

Erschreckende Bilder

Barlovento, Baujahr 1975, mit alten und verwitterten Schwimmwesten
Clodia, Baujahr 1980, verrosteter und abgebrochener (Handrad) Feuerlöschanschluss
Penelope A., Baujahr 1972, verrostetes und verdrecktes Rettungsboot
Volcan de Tenagua, Baujahr 1967, hier ist das Autodeck mit Müll und Unrat verdreckt, dadurch erhöhte Brandgefahr. Fotos ADAC

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