Frankreichurlaub mit dem Wohnmobil II

Leben wie Gott in Frankreich. Das Wohnmobil bringt die Reisenden zu den schönsten Plätzen.

Der Bordalltag steckt voller Überraschungen

Nach den ersten zwei Nächten auf einem kleinen städtischen Stellplatz sowie vor den Toren eines idyllisch gelegenen Campingplatzes an der Vonne (die Platzwartin hatte schon Feierabend gemacht), trauen wir uns erstmals, das mitgebrachte Badezimmer zu benutzen. Plötzlich tönen Jubelschreie aus der Nasszelle: Wir haben entdeckt, dass sich Waschbecken und WC buchstäblich verstecken können, um der Dusche Platz zu machen. Und das auf weniger als einem Quadratmeter! Inspiriert von so viel Knowhow greife ich mir auch gleich tapfer den grauen WC-Kasten und teste damit die Service-Station auf dem Campingplatz. Die nächste Überraschung: Die Reinigung ist ein Kinderspiel, die Fahrt kann weitergehen.

Drei Tage wollen wir auf dem Campingplatz an der Atlantikküste bleiben. "Sie bekommen Parzelle H 8. Gut, dass Sie reserviert haben", erklärt uns die freundliche Empfangsdame. "Wie sind 'complet', hoffnungslos ausgebucht!"
Hungrig und durstig, aber dankbar, lenken wir unser Schneckenhaus im vorgeschriebenen Schritttempo an den Stillleben französischer und holländischer Großfamilien vorbei, packen nach lautstarkem Einparkmanöver ("Schön einschlagen und jetzt noch einen halben Meter gerade!") Tisch, Anglerstühle und Einweggrill aus und sehen beim frisch gekühlten Vin Blanc erst einmal unseren Parzellen-Nachbarn beim Federballspielen zu. Auf H 8 macht sich plötzlich eine neue Art Glücksgefühl breit. Wie konnte man bisher Jahrzehnte ohne Kühlschrank, ja ohne Wohnmobil verreisen?

Ohne uns um die weit geöffneten Klappfenster unseres Reisemobils zu sorgen - Camper sind grundanständige Leute - , satteln wir am nächsten Tag die Fahrräder ab und erobern jetzt strampelnd die sonnige Atlantikküste. Merkwürdig, warum grüßt uns jetzt keiner mehr...?

Um unser kostbares Frischwasser im Wohnmobil zu sparen, gehen wir jeden Abend nach dem Grillen mit Plastikschüssel, Lappen und Küchenhandtuch bepackt zu den Freiluft-Waschbecken. Frank aus Gütersloh, der neben mir den Abwasch für seine vierköpfige Familie erledigt, ist der  Riese auf H 8 mit dem Ravensburger Kennzeichen schon am Vorabend aufgefallen. "So einer schluckt doch sicher ordentlich?", fragt er skeptisch, während er seine bunten Picknickteller trocken wienert. "Nein, mit zehn Litern bist du dabei", antworte ich kalt lächelnd. Soll einer was gegen unsere rollende Ferienwohnung sagen!

Auf dem Campingplatz oder in freier Natur

Wie Gott im Wohnmobil. Als Gerd und ich der Camping-Idylle "Am kleinen Hafen" Adieu sagen müssen, fühlen wir uns wie die Profis. Wir haben inzwischen gelernt, gleichzeitig mit hoch erhobenem Kopf und einer Rolle Toilettenpapier unterm Arm über den Platz zu gehen, ohne rot zu werden. Trauen uns, das knapp sieben Meter lange Fahrzeug auch in kleinen Atlantik-Dörfern todesmutig mitten auf der Straße zu wenden (selbst wenn sich ein Auto nähert, wartet es immer geduldig, bis unser Manöver beendet ist) und benutzen beherzt die mitgelieferten Kunststoffkeile, wenn der Parkplatz einmal etwas schräg ausfällt. Schiefe Betten und vom Tisch rutschende Weingläser sind schließlich nur in Horrorfilmen unterhaltsam.

Die nächsten Tage fühlen wir uns wie die Darsteller eines Roadmovies: Jetzt steuern wir unsere rollenden 14 Quadratmeter an der verträumt dahinfließenden Loire entlang, freuen uns wie die Kinder über die vielen hilfreichen Hinweisschilder an den Ortseingängen für Stellplätze und Servicestationen. Es gibt in Wirklichkeit ja viel mehr davon, als uns der ADAC-Stellplatzführer weismachen will!

Mal entdecken wir malerische Übernachtungsplätze unter Trauerweiden, mal auf verschlafenen Dorfplätzen, werden jeden Morgen von anderen bimmelnden Kirchenglocken geweckt und fühlen uns wie Gott im Wohnmobil.

Selbst das Parken an den faszinierenden Loire-Schlössern, z.B. Saumur, Chenonceau und Chambord, bereitet uns keine Probleme: Überall finden wir eigens ausgewiesene Plätze für Wohnmobile. Häufig stellen wir fest: Wohnmobilfahrer sind  nette, erfrischend patente Leute. Immer wieder kommen wir mit unseren "Kollegen" ins Gespräch. Wir erzählen uns, wo wir Jetons für Frischwasser kaufen können, das Wohnmobilisten fast wie Benzin an kleinen Zapfsäulen tanken, wo man ungestört über Nacht bleiben darf und wo es den besten Wein zu kaufen gibt.

Nach zwei Wochen ereilt uns, es war ja zu befürchten, die große Ernüchterung: Unser kleiner Pkw kommt uns plötzlich wie ein Spielzeugauto vor. Verzweifelt winken wir entgegenkommenden Wohnmobilen zu. Keiner winkt zurück.

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Tipps für Reisen

ADAC-Sicherheitstraining für Campingfahrzeuge

Immer mehr Menschen schätzen das Reisen mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen und die damit verbundene Unabhängigkeit. Ungenügende Fahrpraxis kann den Fahrern von Campingfahrzeugen die Vorfreude auf den Urlaub jedoch gründlich verderben. Bei speziellen ADAC-Sicherheitstrainings kann man sich gezielt auf die Fahrt vorbereiten und lernen, das ungewohnte Fahrzeug sicher und stressfrei ans Ziel zu manövrieren.

Ob Wohnwagengespanne oder Wohnmobile – alle Campingfahrzeuge reagieren beim Rangieren, Kurvenfahrten oder in Notsituationen anders als ein Pkw und stellen die Fahrer damit vor große Herausforderungen. Im eintägigen Training üben die Teilnehmer das An- und Abkuppeln des Wohnwagens, sicheres Rangieren und Durchfahren eines Parcours mit Kurven und Engstellen. Ziel des Kurses ist es, das notwendige Gespür für Fahrzeugabmessungen und Fahrverhalten zu verfeinern.

Besonders empfehlenswert sind die Trainings für Autofahrer, die noch nie einen Camper gefahren haben oder deren letzte Fahrt schon lange zurückliegt. Doch auch langjährige Fahrzeuglenker profitieren bei den Kursen von den Tipps der Trainer. Informationen über die Kurse auf den 60 Trainingsanlagen des ADAC erhält man in allen ADAC-Geschäftsstellen, unter der Hotline 01805-121012 (0,12 €/Min.) und unter www.adac.de/sicherheitstraining.

Ein Hymermobil mieten

Die Firma Hymer verfügt europaweit über 90 Mietstationen, davon 36 in Deutschland. Sie können zwischen sechs Qualitätskategorien wählen, je nachdem, mit wievielen Personen Sie reisen möchten. Besonders zu empfehlen ist die Last-Minute-Buchung, die Hymer anbietet: Wenn Sie kurzfristig mieten möchten, können Sie nämlich bis zu 20 Prozent der Kosten sparen. Es gibt keine Einschränkung bei der Kilometerzahl. Weitere Informationen im Internet unter www.hymer-rent.de

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