
Etwa 127 sm
Nach noch letzten kleineren Besorgungen und Postkartenschreiben legten wir so gegen 14Uhr aus Danzig ab. Die Formalitäten am Zoll waren bald erledigt, so dass es auch wieder schnell zurück in unser Element, das Segeln, ging. Nur leider blieb uns diese Freude nicht lange. Bereits kurz hinter der Mole war der Wind plötzlich weg.
Wir ließen uns nicht beirren und setzen - nun mit Motorkraft - Kurs auf unser nächstes Ziel, Kleipeda.
In einer einzigartigen Atmosphäre segelten wir nach erneutem Auffrischen des Windes langsam in den Sonnenuntergang mit Kurs 30°.
Die Nacht wurde bei auf Nord drehendem Wind bitter kalt. Wie auch schon bei den vorigen Nachtfahrten war auch diesmal etwas Besonderes dabei, Nordlichter! Die russischen Hoheitsgrenzen ließen wir unter vollen Segeln hart an Steuerbord. Von der Küste war nichts zu sehen, nicht einmal Leuchtfeuer. Besonders in den frühen Nachtstunden mussten wir den regen Schiffsverkehr von Danzig Richtung Baltikum wachsam verfolgen.
Schon um halb drei Uhr zeigte sich die nordische Dämmerung, die Stunden später mit einem Sonnenaufgang bei eisigen Temperaturen endete. Nach Wachwechsel schlief der Wind erneut ganz ein und zwang uns zu einer längeren Fahrt unter Motor, in der wir reichlich Zeit fanden, das Schiff zu klarieren. 20 Seemeilen vor der Ansteuerung vor Kleipeda frischte der Wind aus nördlicher Richtung wieder auf, und wir setzten erneut Segel.
Die Einfahrt des Hafens von Kleipeda zeigte sich als recht tückisch mit starkem Strom, viel Fährverkehr, Wind und einer besonderen Enge gleich zu Beginn der Einfahrt.
Die Zöllner von Kleipeda waren ebenso unkompliziert wie bereits an unseren vorangegangenen Stationen. Der Zollanleger versteckte sich zwischen den Wracks alter russischer Bootsreste an der Memelmündung, so dass wir ihn nur mit Hilfe eines uns abfangenden Zoll-Gummiboots finden konnten.
Hiernach machten wir im alten Hafen der Stadt fest, wo uns neben dem netten Hafenmeister ein fotografenscheuer Biber begrüßte. Gleich nach dem Anlegen begann der wie stets hungrige Jörg, das Abendessen zu bereiten.
Am Nachmittag des nächsten Tages hatten wir einen Termin mit der Stadtregierung und der lokalen Presse, bei dem in sehr netter Atmosphäre Gastgeschenke ausgetauscht wurden.
Danach hatten wir noch Zeit die Stadt zu erkunden und das Kurische Haff etwas auf uns einwirken zu lassen.
Wir grüßen alle unsere Lieben nach nunmehr 530 Seemeilen im Kielwasser!
Liebe Leser und "Verfolger" der Ostseefahrt,
das Internet ist allgegenwärtig, glauben wir. Dennoch gibt es immer wieder Flecken auf unserem Globus, wo noch nicht alles so gut funktioniert, wie man es gerne hätte... Dazu die Mail von Eva Philipp an unsere Redaktion:
Hallo Herr Seitz,
wir werden gleich aus Klaipeda auslaufen, aber vorher wollten wir Ihnen noch kurz den neuen Bericht senden. Die Internetverbindung ist sehr langsam, darum kann ich Ihnen keine Fotos schicken. Wir werden jetzt nach Riga segeln und ich hoffe, dort ist es besser.
Viele Gruesse,
Eva Philipp