



Ein Raunen geht durch die Menge an der Reling, als das mächtige Fährschiff Stena Scandinavica Kurs auf die Älsborg-Brücke in Göteborg nimmt. Kratzt der Schiffsriese mit seinem Schornstein an der Brücke oder nicht? Das Oberdeck ist voll mit Schaulustigen, die sich dieses atemstockende Spektakel nach der fast 14-stündigen Überfahrt von Kiel in Schwedens zweitgrößte Stadt natürlich nicht entgehen lassen wollen. Klar, schafft sie es. Das ist eigentlich keine Frage, aber dennoch sorgt diese Einfahrt immer wieder für einen kleinen Adrenalin-Kick in den Morgenstunden.
2000 Menschen und 630 Fahrzeuge finden auf den beiden baugleichen 175 Meter langen und 29 Meter breiten Fährschiffen Stena Scandinavica und Stena Germanica Platz, die regelmäßig zwischen Kiel und Göteborg (Abfahrt jeweils 19.30 Uhr) verkehren. Das Leben an Bord spielt sich während der Überfahrt vorwiegend auf Deck 9 ab, wo Restaurants, Bars, ein Casino, ein Bordkino, ein Kinderspielplatz und ein Shop für Zerstreuung sorgen, ehe man noch die Disco auf Deck 10 heimsucht oder sein Nachtlager in seiner Kabine bezieht, um am nächsten Morgen beispielsweise ausgeruht in Göteborg auf eine ein- oder zweitägige Entdeckungstour zu gehen, ehe es wieder gen Kiel oder weiter ins Landesinnere geht.
Dazu muss man eigentlich nur das Schiff wechseln und auf die Flussfähre „Älvsnabben“ umsteigen, die knapp zehn Fußminuten vom Fähranleger „Tysklandsterminalen“ entfernt an- und ablegt. Mit einer 24-Stundenkarte oder mit der Göteborg –Card kann man übrigens alle Busse, Sraßenbahnen, Ausflugsboote und die Personenfähren von Saltholmen hinaus in das südliche Schärenarchipel von Göteborg benutzen.
Etwa 20 Minuten dauert die Fahrt vom Anleger Klippan auf dem Göta älv durch das bunte Hafentreiben bis zum Anleger Lilla Bommen neben dem Viermastbark Viking von 1907. Und schon ist man fast mitten im Herzen der Universitäts-, Handels- und Hafenstadt, wo es neben einem Streifzug durch immerhin 18 Museen noch eine ganze Menge anderes zu sehen und zu tun gibt – auch wenn sich Südschwedens Wetter mal nicht von seiner besten Seite zeigt und der reizvolle Ausflug in das südliche Schärenarchipel buchstäblich ins Wasser fällt.
Wer es weniger mit den Schiffen und mehr mit dem Shoppen hat, ist in Göteborg ebenfalls an der richtigen Adresse. Direkt neben dem Hauptbahnhof steht Schwedens größtes Einkaufszentrum Nordstan mit 150 Geschäften, das absolut wasserdicht und architektonisch ganz interessant ist. Die alten Straßenzüge wurden nämlich original beibehalten und mit Glasfronten durchgängig überdacht.
Von Nordstan gelangt man über den Kanal in die Fußgängerzone Fredsgatan, wo sich ein Geschäft an das andere reiht, die sich in der Kungsgatan und Korsgatan fortsetzt und über den Kungsportsplatsen in die Kungsports avenyn, der Prachtstraße und Flaniermeile Göteborgs mit zahlreichen Geschäften, Cafés, Restaurants, Kneipen und Nachtlokalen zum Götaplatsen mit dem Göteborger Kulturzentrum führt, über dem das Standbild des Poseidon wacht.
Architektonisch sehenswert und wegen ihrer Atmosphäre immer einen Bummel wert sind die Saluhallen, ein Lebensmittelmarkt auf dem Kungstorget. Die alten Markthallen wurden zwischen 1886 und 1889 errichtet. Heute füllen 36 Spezialgeschäfte und Restaurants das altehrwürdige Gemäuer mit einer Riesenauswahl an nationalen und internationalen Köstlichkeiten zum Essen und Trinken. Folgt man von hier dem Wallgraben, den König Gustav II. Adolf im Zuge der Stadtgründung am 4. Juni 1621 nach holländischem Muster mit Kanälen und Befestigungen hat angelegen lassen, in Richtung Hafen, kommt man zu einer weiteren Schlemmeroase und zu einem Göteborger Original: Von außen schaut die Fischkirche (Feskekörga) aus dem Jahr 1874 wie ein Gotteshaus aus. Im Inneren birgt sie eine Markthalle für fangfrische Fische und Schalentiere mit einem kleinen Restaurant.
Auf der anderen Seite des Rosenlundkanals liegt das alte, ehemalige Arbeiterstadtviertel Haga mit seinen schönen alten Holzhäusern, kleinen Läden und Cafés. Das historische Viertel ist um 1980 so einfühlsam umgebaut worden, dass der Charakter aus der Zeit der Jahrhundertwende bewahrt geblieben ist. Von diesem Charme kann man am besten in einem der vielen Straßencafés in Haga Nygatan gefangen nehmen lassen.
Ein Blick zurück in die Vergangenheit gewähren auch die vielen Antiquitätenläden. Ein ausgefallenes Exemplar sind die Antikhallarna in der Västra Hamngatan 6. Hier finden sich auf zwei Etagen des ehemaligen Bankhauses jede Menge Antiquitäten von unterschiedlichen Händler, die zum Stöbern und Kaufen verführen. Wer auf dem Seeweg in die südwestschwedische Stadt gekommen ist, kann dann unter Umständen Transportprobleme bekommen...
Doris Seitz
Fähre nach Göteborg
Stena Line bietet Seereisen in die Metropole Göteborg und zu den Schäreninseln Hönö und Öckerö mit Rahmenprogramm an. Das wird geboten: In netter Gesellschaft und mit Reiseleitung die Annehmlichkeiten einer weltoffenen Stadt genießen, romantische Natur zu erleben und die Lebensart unserer europäischen Nachbarn kennen zu lernen.
In der Hafenmetropole Göteborg, die zugleich das Flair einer Großstadt und den Charme einer gemütlichen Kleinstadt hat, gibt es dann viel zu sehen: die Oper, den Fischmarkt in der Fiskekörka oder das historische Viertel Haga. All dies wird bei einer von Stena Line organisierten Stadtrundfahrt erkundet. Im Reisepreis ist auch ein typischer Mittagsimbiss im schwimmenden Schifffahrtsmuseum "Maritima Centrum" enthalten.
Nach der Stadterkundung geht es weiter zu den der Küste vorgelagerten romantischen Schäreninseln Hönö und Öckerö. Das Bild wird geprägt von malerischen Buchten mit bunten Holzhäusern. Dort werden sehenswerte Zeugnisse über das Leben auf den Inseln ausgestellt. Zurück an Bord erwartet die Gäste Spielspaß beim Bingo-Nachmittag. Eine Bingo-Karte ist bereits im Reisepreis inbegriffen. Natürlich gibt es für jeden Treffer einen attraktiven Preis.
Maritima Centrum
Das Maritima Centrum am Packhuskajen (geöffnet von März bis November) gleich hinter der Oper, die durch ihre stilvolle Architektur und ihre außergewöhnlichen Lage direkt am Wasser besticht, ist das größte schwimmende Schifffahrtsmuseum der Welt und ein Muss für alle, die sich für Schiffe interessieren. Historische Boote vom Feuerschiff „Fladen“ von 1915 über das U-Boot „Nordkaperen“ von 1962 bis hin zu einem Panzerboot aus dem Jahr 1875 sind hier nicht nur zu sehen, sondern auch nach Herzenslust bis in die letzte Luke hinein zu besichtigen.