

Die Wiederbelebung der Schifffahrt auf fließendem Gewässer kommt aus der Ecke der Freizeit-Kapitäne und hat viel mit der Neu-Eröffnung alter Strecken wie etwa des „Shannon-Erne-Waterways“ in Irland oder mit der neuen Schleuse in Burbach an der Saar zu tun, die als modernste Schleusen-Anlage Europas gilt.
Den Durchbruch für Hobby-Kapitäne brachte die behördliche Befreiung vom deutschen Bootsführerschein im April 2000. Für Mieter von Charter-Hausbooten bis 13 Meter Länge und maximal 12 km/h genügt eine kurze Einschulung. Saarbrücken hat schnell reagiert und fördert den Wassertourismus mit dem Regierungs-Konzept „Stadt am Fluss“. Teil der Umsetzung ist der im Juni 2001 abgeschlossene Ausbau einer Hausboot-Basis im Stadtzentrum der Landeshauptstadt. Von hier aus kann man auf der Saar ohne Führerschein in Richtung Süden nach Frankreich fahren und mit Führerschein in die andere Richtung zur Mosel nach Trier. „Unter Aufsicht“ eines Schein-Inhabers dürfen übrigens jederzeit auch führerscheinlose Wesen ans Steuer.
Unser Autor stellt interessante Routen sowie einige Neuigkeiten vor:
Nach Sarralbe mit der ersten europäischen Brückenkonstruktion aus Stahl beginnt ein für Fahrräder frisch asphaltierter Treidelweg in Richtung Étang de Gondrexange. Der von Mönchen für die Fischzucht angelegter Riesen-Teich wird heute als Wasserreservoir für die Kanäle und zum Schwimmen, Segeln, Kanufahren und Fischen genutzt. Die Schleusen sind teilweise per Funk-Fernsteuerung von der Crew bedienbar, manchmal ist eine telefonische Anmeldung erforderlich. Dann fährt der Wärter ein Stück mit dem Fahrrad voraus. Schmale Kanäle mit langgezogenen Kurven und romantische Brücken aus der industriellen Revolution – eine Landschaft, die entspannt! Fischreiher leisten ihren Beitrag zur allgemeinen Romantik, wenn sie auf den technischen Anlagen umher stolzieren. Bei ausreichender Futter-Spende begleiten sie das Hausboot bis zu den „Kollegen“ von der Nachbarschleuse. Vor dem Wendepunkt kommt Lutzelbourg mit dem Schiffshebewerk von Arzviller. Der 900 Tonnen schwere Schrägaufzug überwindet 44 Meter Höhe. Ebenso einmalig ist die Weiterfahrt durch zwei beleuchtete Tunnel, deren gespiegelte Lampions eine kreisrunde Lichterkette entstehen lassen.
Burgromantik in Saarburg, Weinberge, gute Radwege-Verbindungen für Abstecher zum Beispiel die Große Saarschleife entlang - in Zeitlupe ziehen duftende Gemüse- und Getreidefelder, Pappeln und Bauernhöfe vorbei. Völklingen mit seinem Industrie-Weltkulturerbe („Alte Völklinger Hütte“) ist die erste Station. Der Yachthafen von Merzig mit Grillplatz, Brauerei, Restaurant und Sommerfestspielen im Freiluft-Theater die zweite. Die Schleuse Serrig mit dem tiefroten Sandstein-Steinbruch im Hintergrund ist mit 15 Meter die höchste unterwegs. Durch Riesling-Anbaugebiete führt der Wasserweg nach Konz, ideale Anlegestelle für einen Besuch von Trier. Der Ortsname Oberbillig gibt ein falsches Signal – erst in Luxemburg wird Diesel spürbar billiger. Die Grenze verläuft nach der Einmündung der Saar in die Mosel vorbei am Ort Wasserbillig. Verkosten von Wein bleibt entlang der Moselwein-Straße preiswert. Etwa in Schengen, dem kleinen Grenz-Ort mit dem großen Abkommen. Thionville auf französischem Gebiet mit seinen beiden Schleusen-Brücken aus dem 18. Jahrhundert ist unser Wendepunkt.
Ab Flughafen Dublin bietet die Hausboot-Basis in Belturbet zweistündige Trans-fers an, wir wählen sie wegen seiner Lage am Lough Erne aus - für Anfänger ein ideales Gelände. Der Shannon-Erne-Waterway erschließt 750 Kilometer Wasserstraßen, die längsten Europas. Auf dem Weg nach Belleek und zurück nach Carrick on Shannon wechseln Seenlandschaften mit Flüssen und Kanäle mit Schleusen einander rasch ab. Hügellandschaften, Weidegebiete, Torfabbau und kleine Siedlungen ziehen in Laufgeschwindigkeit vorbei. Belleek als Wendepunkt einer Wochen-Fahrt ist nur mehr 10 Kilometer vom Atlantik entfernt. Das „Fishing Centre The Thatch“ von Michael Mac Grath organisiert dort eintägige Schnupperkurse für Angler inclusive Ausrüstung und Boot. Auf der Rückfahrt lohnt sich ein Abstecher zur frühchristlichen Kloster-Siedlung Devenish Island mit Rundturm und Hochkreuz. Sie kann komfortabel und höchst individuell gestaltet werden, weil sich die automatischen Schleusen zwischen Shannon und Erne mit Chipkarten bewegen lassen. Jene mit der Nummer 13 könnte Unglück bringen: Am Upper-Deck sollten auch weniger Abergläubische aber groß Gewachsene den Kopf einziehen, damit sie sich nicht an der Brücke stoßen.
Die beiden Hausbootvermieter „Connoisseur“ und „Emerald Star“ haben seit April Schottland und Oberitalien neu im Programm. Und Einweg-Kreuzfahrten von Saarbrücken nach Toul (20 Kilometer westlich von Nancy) oder umgekehrt, mit PKW-Überstellung auf Wunsch. Am Canal du Midi in Südfrankreich sind seit dem Frühjahr dieses Jahres Einwegtouren zwischen den umgebauten Basen Homps und Beaucaire möglich (200 Kilometer, nur 19 Schleusen). Zum diesjährigen Saisonbeginn können neue Wasserstraßen wie ab Castelmoron (Südfrankreich) oder wie der River Suck ab Shannonbridge (Irland) befahren werden.
Theo Reisner
Die hier beschriebenen Touren dauern etwa eine Woche und kosten zwischen 200 bis 300 Euro pro Person. Boote gibt es in unterschiedlichen Größen für 2 bis 12 Personen.
Auskünfte zu Frankreich
ARNS France, Graf-Adolf-Straße 69, 40210 Düsseldorf, Tel. 0211/ 385 99 05,
E-mail: arns-france(at)rimnet.de,
www.connoisseur
Auskünfte zu Irland
EMERALD STAR, Graf-Adolf-Straße 69, 40210 Düsseldorf, Tel. 0211/ 385 98 93,
E-mail: info(at)emeraldstar.de
www.emeraldstar.de