Der Canal du Nivernais im Burgund

Urlaub auf dem Hausboot

Hausboot-Urlaub in Frankreich: die Penichette "Chassignelles" in der Schleuse.
Leinen festmachen will geübt sein.
Canal du Nivernais: Gegenverkehr an der Schleuse Chaumigny. Foto: edition Vasco

Einer der originellsten und entspannendsten Wege durch das Burgund führt über die Wasserstraßen. Bei einer Hausboot-Tour auf dem Canal du Nivernais lebt man mitten in der Natur, mitten in der Gemeinschaft und kann dennoch machen, was man will. Also: dann, nichts wie Leinen los.

Aus ist es mit dem behaglichen Sonnenbaden an Deck. Vorbei das gemütliche Plauderstündchen in der Kombüse bei Café au lait (Milchkaffee) und Madeleines, einem leckeren Gebäck. Unterbrochen das verträumte Genießen einer Landschaft, die ein Wechselbad aus saftiggrünen Wiesen und Wäldern, wildromantischen Tälern, schroffen Kalkfelsen und einer reich bestückten Rebenlandschaft ist. Die nächste Schleuse naht. Da heißt es für die gesamte Besatzung an Bord des Hausbootes Chassignelles, das auf dem Canal du Nivernais im Norden Burgunds in Frankreich entlang tuckert: alle Mann/Frau in die Startlöcher. Das schwimmende Wohnzimmer einen Stock tiefer legen.

Kurz ist die Anstrengung und das Schleusen eigentlich kein Problem, wenn die Aufgaben vorher gut verteilt wurden. Der Freizeitkapitän schippert das kleine Gefährt mit mäßiger Geschwindigkeit auf der Höhe der Quaimauer in die Schleuse. Zwei andere Besatzungsmitglieder springen von Bord und befestigen die Taue an den Pollern aus Stein oder Eisen.

Von Schleuse zu Schleuse
Nun geht es los mit der Kurbelei, die auch einigermaßen Durchtrainierte Kraft kostet, um die Schleusentore zu öffnen und zu schließen. Dementsprechend werden an Bord die Taue nachgezogen oder nachgelassen. Sind die Wasserstände in der Schleuse und vor dem Tor dann auf gleicher Höhe, wird das Talschleusentor aufgemacht, die Taue werden eingeholt, die restliche Mannnschaft kommt zurück an Bord - und langsam kehrt das alte Leben wieder ein, das wie ein langer, ruhiger Fluss auf selbigem dahinplätschert.

Gott sei Dank helfen einem die Schleusenwärter meistens bei diesem kleinen Kraftakt, die, sollten die Sprachkenntnisse ausreichen, nicht nur kooperativ, sondern auch sehr kommunikativ sind. Denn immerhin liegen 110 Schleusen auf dem 174 Kilometer langen Weg von Decize bis nach Auxerre auf dem Canal du Nivernais, der die Loire mit der Yonne verbindet. Den größten Höhenunterschied von 48 Metern bewältigt nach der 758 Meter langen Tunnelstrecke "Voûtes da la Collancelle" eine Schleusentreppe mit 16 Schleusen im Tal von Sardy, die zusätzlich über einen Ampelverkehr geregelt ist.

Doch soweit kommt ein Freizeitkapitän mit seinem Hausboot von der Basis in Dompierre, das am Seitenkanal der Loire liegt, nur, wenn er zwei Wochen Zeit und eine Einwegfahrt gebucht hat. So lange braucht man nämlich für die geamte Kanalstrecke, da die Höchstgeschwindigkeit acht Stundenkilometer beträgt.

Zeit und Raum spielen keine Rolle
Gar mancher erfüllt sich einen Kindheitstraum, wenn er mit Freunden oder der Familie als Freizeitkapitän einmal über den Badewannenrand hinausschaut und Ferien auf diese beschauliche Art macht, wo nur die Schleusenöffnungszeiten den Tagesrhythmus beeinflussen. Liegt das Boot fest, kann sich der Sportliche auf den Treidelwegen am Ufer abstrampeln, während der Erholungssuchende auf dem Deck döst, der kulturell Interessierte zu Fuß oder mit dem Rad auf Entdeckungsreise geht, das Küchenteam Einkäufe macht oder die Spielbegeisterten am großen Tisch in der "guten Stube" ihr Glück suchen.

Platz genug ist auf der Penichette für sechs Personen, wenn man nicht gerade mit dem Schrankkoffer anreist. Weitaus bequemer ist es allerdings, wenn man nur zu Viert unterwegs ist. Das Hausboot hat alles an Bord, was des Selbstversorgers Herz begehrt: Das Inventar reicht vom Doppelbett über die Dusche bis hin zur Mini-Kompaktküche mit einem kleinen Kühlschrank. Und auf dem Dach liegen noch Fahrräder für die schnellen Einkäufe im Dorf.

Ein Hauch von Freiheit und Unabhängigkeit
Einmalig ist die völlige Unabhängigkeit: Man macht, was man will. Man legt an, wo man will. Aber natürlich nicht in den verbotenen Zonen unmittelbar an den Schleusen. Es gibt also durchaus ein paar Grundregeln zu beachten. Die erfährt der Neuling während der halbstündigen Einweisungsfahrt – und auch dem vermeintlich "alten Hasen" unter den Freizeitskippern schadet es nicht, am ersten Tag oder noch vor der Abfahrt das Bordbuch zu studieren. Denn jedes Revier hat so seine Eigenheiten, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

Reich an Sehenswürdigkeiten ist diese Gegend Frankreichs allemal. Allein der Kanal ist Geschichte. Mit dem Bau dieses Wasserweges, der Loire und Seine über die Yonne verbindet, wurde Ende des 18. Jahrhunderts die Voraussetzung geschaffen, die Brennholzversorgung von Paris sicherzustellen. Von 1784 bis 1841 wurde an diesem Kanal gebaut. Die zunehmende Technisierung machte irgendwann den Transport der Baumstämme überflüssig, denn Paris heizte nicht mehr mit Holz. Da drohte dem Canal du Nivernais das Schicksal vieler anderer Wasserwege: eine Stillegung. Doch in den 70er Jahren öffnete sich ein neuer Horizont. Die ersten Hausboote wurden eingesetzt – und schon bald wurde diese Art Urlaub zu machen immer beliebter.

Wolfgang Seitz

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reise-report

Tipps

Wer darf das Hausboot fahren?
Zum Steuern des Hausbootes brauchen Sie weder einen Bootsführerschein noch Vorkenntnisse, lediglich den Autoführerschein. Nach einer umfassenden Einweisung und einer Probefahrt kann es losgehen.

Was kostet eine Woche Hausboot?
Die Penichette bietet Platz für sechs Personen, bequemer ist es für vier. Sie kostet in dieser Größe zwischen 1600 Euro (März/Oktober) und 2600 Euro (Juli/August) pro Woche. Dazu kommen die Treibstoffkosten (zwischen 90 und 150 Euro/Woche), Vollkasko-
Versicherung (je nach Typ ab 90 Euro/Woche). Alle Nebenkosten wie Kaution (ab 500 Euro/Woche, abhängig von der Bootsgröße), Versicherung, Endreinigung, Gebühr für Hund (etwa 35 Euro/Woche), Miete für Fahrräder (etwa 50 Euro/Woche) etc. müssen in der Mietstation bei Abfahrt bzw. nach Rückkehr bezahlt werden. Das geht mit Kreditkarte (Eurocard, Visa), Euroscheck oder auch bar (Francs). Die Wassertanks kann man meist kostenlos auffüllen. Die Schleusenwärter bekommen ein paar Francs Trinkgeld.

Veranstalter
ADAC Reise GmbH in Zusammenarbeit mit der Locaboat Plaisance GmbH (zu buchen im Reisebüro).

Informationen
Auskünfte über Hausbooturlaub in Frankreich, der von Ende März bis Ende Oktober möglich ist, gibt auch das Maison de la France, Westendstraße 47, 60325 Frankfurt 1, Telefon 0190/ 57 00 25
Fax 0190/ 59 90 61.

Schönheiten entlang des Flusses

Jeder Landgang vom Hausboot erzählt auch ein bisschen über das Burgund und seine Bewohner. Der ganze Stolz der alten Stadt Decize, die auf einer Felseninsel inmitten der Loire gebaut ist, ist beispielsweise die 900 Meter lange Allee mit Bäumen auf dem Jahr 1771. Über dem ruhigen Cercy-la-Tour, ein beliebter Treffpunkt der Angler, wacht das gewaltige Standbild "Unserer Lieben Frau des Nivernais". Zwischen Felsen und Wasser erhebt sich auf einer Landzunge, die vom Kanal begrenzt ist, das Wahrzeichen von Chatillon-en-Bazois, das Schloss mit einem schönen Park. Fünf Tore und 14 Wachtürme sicherten früher das Provinzstädtchen Corbigny, das heute immer noch reich an Erinnerungsstücken ist, ähnlich wie das mittelalterliche Clamency, das "Venedig des Nivernais", mit seinen schönen Fachwerkhäusern aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Krönender Abschluss der erholsamen Reise auf dem Hausboot ist Auxerre, über das sich strahlend die gewaltige Kathedrale St. Etienne erhebt.

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