Mit einer Kormoran auf den Mecklenburgischen Seen

Eine gemütliche Woche lang: Kapitän auf Zeit

Der Ausgangshafen, die Marina von Kuhnle.
Bordhund Skipper, nicht nur Ingrids Liebling
Warten vor der Schleuse
Erlebnis Schleusen
Skipper Wolfgang: das Boot fest im Griff
"Deckshand" Ingrid und ihre "Schnecken"

Ein völlig neues Zeitgefühl bekommen sonst so noch hektische Menschen, wenn sich ein Boot mit nur wenigen Stundenkilometern vorwärts bewegt. Neugierde, eine gute Vorbereitung, eine aktive und erlebnishungrige Crew – das sind die Voraussetzungen für eine gelungene Hausboottour.

Wir haben es ausprobiert, waren eine Woche auf der Mecklenburgischen Seenplatte südlich der Müritz unterwegs. Mit an Bord: der Skipper (mit Bootsführerschein), seine Crew (anfangs noch echte Landratten) und Bordhund „Skipper“ (der wirklich so heißt).

Fangen wir gleich mal mit unserem Geheimtipp an: der Anleger beim Ferienpark Mirow. Er hat es uns so angetan, dass wir in diesem Idyll während unseres einwöchigen Törns gleich zweimal vor Anker gingen. Spiegelglattes Wasser, ein traumhafter Sonnenuntergang, außer uns niemand da, Ruhe ohnegleichen.
Warum sich hier – zumindest außerhalb der Hauptsaison - kaum jemand her verirrt, liegt daran, dass die meisten Freizeitskipper bereits an Mirow mit seinem Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert, den Schlosspark mit der wunderhübsch verzierten Brücke zur Liebesinsel und die Gruft der Mecklenburg-Strelitzer Herzöge hängen bleiben. Dazu kommt, dass das Strandrestaurant Mirow, der Bootsservice Rick an der Schlossinsel und auch der Wasserwanderrastplatz Mirow um Übernachtungsgäste buhlen.

Und nicht jeder hat Lust, den ganzen Mirower See zu durchqueren, um ab der Granzower Möschen durch die für die motorisierten Sportboote eigentlich gesperrte „Alte Fahrt“ zu schippern. Liegeplatzinhaber, Gastlieger und Besucher des Ferienparks jedoch dürfen hier durchfahren.

Das Gebiet der Mecklenburger Seenplatte bietet den Wasserwanderern eine solche Fülle an Zielen, dass man Wochen hier herumschippern könnte. Rheinsberg, von Tucholsky viel und liebevoll beschrieben, gehört auf alle Fälle auf die Liste der Törnziele, wenngleich sich dort natürlich so gut wie jede Crew ein Stelldichein gibt. Gefahr: Wer spät kommt, bekommt keinen Liegeplatz. Wer spät abreist, steht an der nächsten Schleuse im Stau.

Und da zeigt sich so manches Mal - wohl eher unfreiwillig -, wer ein richtiger Kapitän ist. Die ein wenig eigenwillig geformten Boote der Kuhnle-Flotte – sie werden häufig „Bügeleisen“ genannt – bieten auch Anfängern besten Fahrkomfort. Sie lassen sich gut und präzise manövrieren. Selbst das rückwärts Einparken bereitet so gut wie keine Probleme. Fahren lassen sich die Boote ohne Führerschein. Allerdings ist eine etwa dreistündige Einweisung Voraussetzung, um den so genannten Charterschein zu erhalten. Aufpassen sollten bei dieser Einweisung übrigens alle Crew-Mitglieder. Auch das Kapitänshandbuch sollten alle, die an Bord sind, zumindest ab und zu zur Hand nehmen. Denn nur wenn jeder weiß, was zu tun ist, ist ein reibungsloser Törn garantiert. Dann wird das Abenteuer Hausbooturlaub allen noch lange positiv im Gedächtnis bleiben.

Wolfgang Seitz


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reise-report

Informationen

Südlich der Müritz beginnt die Kleinseenplatte, das Herzstück der Mecklenburgischen und Märkischen Gewässer. Die letzte Eiszeit hat hier über 300 Seen mit zum Teil natürlichen Verbindungen hinterlassen: ein Getümmel von kleinen und großen Seen, Flussläufen und Wasserwegen. Schmale, tiefe Rinnenseen, kreisförmige Flachseen und kurze Stichkanäle bilden ein Wassersport-Paradies, wie es kein zweites in Europa gibt.

Eine Woche Hausbooturlaub kostet je nach Saison zwischen etwa 1400 und 2700 Euro. Dazu kommen Endreinigung 60 Euro sowie etwa 160 Euro Treibstoff pro Woche (abgerechnet wird nach Betriebsstunden).
Informationen Kuhnle-Tours,Tel. 0711/ 164 82-0 www.kuhnle-tours.de

Zur Vorbereitung: Törnplaner Mecklenburgische und Märkische Gewässer, Quick Maritim, ISBN 978-3-9806720-9-2, 15 Euro.

 

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