
Die Kleinstadt Heide in Schleswig-Holstein ist die Kreisstadt von Dithmarschen. In der einstigen Bauernrepublik spielte der Handel eine große Rolle. So entstand um 1400 auf einer Wegkreuzung der Händler, die Vieh und andere Güter zwischen Dänemark und Hamburg sowie zwischen Ostsee und Nordsee transportierten, ein Marktplatz und darum herum eine Siedlung. Sie trug zunächst den Namen „Uppe de Heyde“ - Auf der Heide -, denn das landwirtschaftlich ungenutzte Heideland schien ideal für einen Handelspunkt.
Noch heute ist der Heider Marktplatz der ganze Stolz der Stadt. Mit 4,7 ha ist er der größte unbebaute Marktplatz Deutschlands. Seit über 500 Jahren findet hier ein traditioneller Wochenmarkt statt, der an Samstagen zahlreiche Besucher aus der größeren Umgebung anlockt, darunter im Sommer auch viele Touristen.
Alle zwei Jahre feiern die Heider diesen traditionsreichen Platz beim Heider Marktfrieden. Das mehrtägige Volksfest bietet Besuchern die Gelegenheit, das Markttreiben so zu erleben, wie es sich vor hunderten von Jahren zugetragen hat. Außerdem bietet der Marktplatz reichlich Platz für Veranstaltungen wie den Jahrmarkt oder Zirkus.
In der Südwestecke des Marktes steht die St. Jürgen-Kirche. An dieser Stelle wurde 1450 eine Kapelle erbaut und 1460 zur Kirche erweitert. 1559 eroberten die Truppen Friedrichs II. von Dänemark und der Herzöge von Holstein und Hadersleben die Stadt Heide und die Kirche ging in Flammen auf. 1560, bereits ein Jahr später, wurde die Kirche erneut aus Feldsteinen und im Stil eines Bauernhauses errichtet. 1611 wurde der 48 m hohe Kirchturm errichtet.
Interessant ist, dass die Kirche, die einst dem heiligen St. Georg - auf niederdeutsch St. Jürgen - gewidmet war, auch nach der Reformation ihren Namen beibehielt und dass die Verehrung der Jungfrau Maria weiterhin eine zentrale Rolle für diese Kirche spielte.
Rund um den Heider Marktplatz gibt es noch einige historische Fassaden mit schönen Giebeln, die das Stadtbild bereits seit vielen Jahrhunderten prägen. Verlässt man den Marktplatz Richtung Süden, kommt man nach wenigen Minuten in den kleinen Park „Neue Anlage", der mit seinen kleinen Teichen und Skulpturen ein beschauliches Idyll darstellt.
Nur zwei Straßen weiter befindet sich die Heider Museumsinsel in Lüttenheid. Sie reicht in ihren Dimensionen natürlich nicht an ihr Berliner Namensvorbild heran, vereint aber mehrere örtliche Museen an einem Ort. Das Stammhaus der Familie Brahms kann besichtigt werden – der Vater des Komponisten Johannes Brahms ist hier geboren und aufgewachsen. Das idyllische Häuschen an der mit Kopfstein gepflasterten Gasse ist gut erhalten und zeigt neben originalem Mobiliar auch eine Ausstellung über Leben und Werk des Komponisten.
Ein weiterer Künstler hat seine Wurzeln in Lüttenheid: Der Heimatdichter Klaus Groth wurde hier geboren. Sein Geburtshaus wurde 1914 zum Klaus-Groth-Museum. Im 1796 erbauten Giebelhaus sind Möbel, Einrichtungs- und Arbeitsgegenstände des Schriftstellers zu sehen, außerdem werden viele Manuskripte, Briefe und andere Dokumente ausgestellt. Das liebevoll möblierte und dekorierte Haus zeigt beispielhaft und anschaulich das Leben in der guten alten Zeit.
Das Heider Heimatmuseum bietet mit historischen Fotografien von 1860 bis 1930 spannende Einblicke in die Geschichte der Stadt und ihre Entwicklung über die Jahrzehnte. Außerdem werden historische Handwerke vorgestellt.
Wenige Gehminuten von den Museen in Lüttenheid entfernt, steht der Heider Wasserturm, eines der Wahrzeichen der Stadt. Der 1903 errichtete Backsteinturm mit Granitsockel ist mit 45,71 m Höhe der höchste Wasserturm Schleswig-Holsteins. Sein Kupferturm ist in Heide weithin zu sehen. Der hübsche Turm liegt in einem kleinen Park an einem Teich namens Ostpool.
Der Wasserturm wurde 1978 unter Denkmalschutz gestellt und 1989 endgültig vom Netz genommen. Das marode Bauwerk gehörte nun der Stadt und wurde nach langem Hin und Her über die künftige Nutzung und die Kosten schließlich ab 2003 aufwändig saniert. Dabei blieb die äußere Erscheinung des Wasserturms erhalten, aber innen wurde einiges verändert. Ein Fahrstuhl wurde eingebaut und im Turmkopf entstand ein 71 qm großer Raum, der dem Heider Standesamt als zusätzliches Trauzimmer dient. So beginnen viele Heider Ehen hoch über den Dächern der Stadt.
Am nordöstlichen Rand Heides befindet sich die Heider Rennbahn, die Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Nachdem ab 1890 einige Enthusiasten rund um Heide Trabrennpferde zu züchten begannen, suchte man schon bald nach einem geeigneten Ort, um Rennen abzuhalten. Das erste Trabrennen fand 1904 auf dem damals noch unbefestigten Marktplatz statt – ein Riesenerfolg. Die Traber-Fans wollten so schnell wie möglich eine eigene Rennbahn, und 1907 wurde die Fichtenhain-Rennenbahn am Ortsausgang Heides eingeweiht. Später fanden hier auch Reitturniere, Auto- und Motorradrennen statt.