Die Seele baumeln lassend verließen wir Helsinki um 18.15 Uhr mit Kurs auf eine von uns für ideal befundene Ankerbucht etwa 15 sm vor der Stadt.
Die romantische einsame Bucht erfüllte unsere Erwartungen voll. Wegen eines zu erwartenden Weststurms legten wir die gute alte Wiking sicher vor alle drei Anker. Am Abend entpuppte sich Michael auf dem Vorschiff als wahrer Grillmeister und zauberte aus den ursprünglich recht faden Grillwürstchen leckere Fleischhäppchen.
Nach ruhiger Nacht und gestärkt von einem leckeren Frühstück musste es geschehen. Erbse wurde aufgeriggt.
Was bisher nur aus Mythen bekannt war, funktionierte tatsächlich. Das kleine rote Beiboot konnte segeln. In ihren Am-Wind-Eigenschaften Wiking in nichts nachstehend, erkundeten wir die umliegenden Inseln. Mit GPS ausgerüstet ließ sich eine Maximalgeschwindigkeit von 3,8 Knoten messen, die Erbse bis in die Mastspitze erzittern ließ. Hierbei bewährte es sich, das zur Pinne umfunktionierte Paddel fest in der Hand zu halten.
Uns so dem Müßiggang hingebend vergaßen wir schnell den stürmischen Westwind, der uns eine Weiterfahrt nach Turku unter Segel bis auf weiteres verwehrte. Am Abend gab es zusätzlich zum erneuten Einsatz unseres Grillmeisters ein kulinarisches Highlight. Jörg backte Brot in der Pfanne, während Michael am Grill leckeres aus den verbliebenen Würstchen zauberte. So schlummerten wir in guter Stimmung in die Nacht hinein.
Am nächsten Morgen immer noch Westwind! Da Michael uns am Samstag Richtung Flieger und Uni verlassen mußte, sahen wir uns genötigt weiterzufahren. So ging es nach Lichten der Anker zunächst mit Maschine weiter nach Westen. Unser Ziel war Ingå, ein im Hafenhandbuch als nicht sehr reizvoll beschriebener Hafen, der sich allerdings nach anspruchsvoller Anfahrt als ein traumhaftes Plätzchen Erde herausstellte. Um 23 Uhr hatten wir festgemacht und verbrachten unseren vorerst letzten gemeinsamen Abend mit Micha, den wir inzwischen sehr lieb gewonnen hatten, auf dem Boot.
Den Samstag Morgen nutzten wir zuerst zum Duschen, Einkaufen und Verabschieden. Dann ging es nun nur noch zu dritt unter 2. Reff und Fock hart am Wind, der kräftig aus NW blies, weiter. Vorbei an Hunderten von Schären steuerte Wiking unter Segeln auch durch die engsten Durchfahrten.
Am Abend ereichten wir in Ramsviksfladan eine ruhige und wunderschöne Ankerbucht, wo wir vor Heckanker an zwei Bäumen festmachen konnten. Sofort wurde Erbse aufgeriggt, um die Umgebung erneut zu erkunden.
Jörg schrieb 25 Karten, während Holger bei für uns unmöglichen Bedingungen sein erstes Bad in der Ostsee nahm. - Freiwillig! Für den nächsten Tag hofften wir auf Süd- oder Ostwind, der nach Wetterlage kommen sollte…
Ihn wollten wir für unseren Weg um Hanko herum nach Westen nutzen. Am nächsten morgen um 6:00 war gar kein Wind. Erst um 9:00 war es soweit. Ostwind!
Unter Segeln lichteten wir den Anker und verließen die Bucht. Das war unsere Chance.
Vor der Bucht stieg, ihr werdet´s erraten, der Spi, der uns über mehrere Stunden und unzählige Manöver durch die engen Fahrwasser vorbei an Hanko nach Westen zog. Zirka 30 Meilen vor Turku fanden wir abseits der Schiffahrtsstraßen eine verlassene Schäre, an der wir gegen 19.00 Uhr festmachten. Hier angekommen bestiegen wir den inseleigenen Berg, der uns einen atemberaubenden Blick über die Bucht bot.
Nach ruhiger Nacht brachen wir am Morgen unter Segeln auf, um den Wind für uns zu nutzen, bevor er auf Nord drehen würde. Das gelang bis in die frühen Abendstunden, wo uns 5 Meilen vor Turku der Wind erst einschlief und dann kräftig aus Nord entgegen blies. Um 20.30 Uhr lagen wir fest in Turku. Nach ausgiebigem Aufwärmen in der gasthafeneigenen Sauna erkundeten wir die Stadt .
Am nächsten Tag begrüßte uns im Maritimen Museum der Leiter der Abteilung „International Affairs“ der Stadt Turku, dem wir die Grüße der Stadt Lübeck ausrichteten und unsere Gastgeschenke übergaben. Besonders das Niederegger Marzipan war hier wohlbekannt.
Im Anschluß führte uns eine Mitarbeiterin des Museums durch die maritimen Ausstellungen und erklärte uns den städtebaulichen Wandel Turkus im Laufe der Zeit.
Nun heißt es für uns vier weiter nach Norden in Richtung Vaasa vorzustoßen, wofür wir aber erst eine Änderung der Wetterlage abwarten müssen. Die Zeit bis dahin werden wir uns in den nördlich von Turku gelegenen Schären in Lauerstellung begeben. Grillwürste und andere lebensnotwendige Utensilien werden dafür gerade gebunkert.
Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, wieso für „uns vier“ – hier in Turku hat sich nun Pierre noch zu uns gesellt, und wird die nächsten zwei Wochen dabeisein, um den bottnischen Meerbusen mit uns zu erkunden.