Der Jeans ein Denkmal gesetzt

Levi Strauss is coming home

Das Markenzeichen der Firma, die Jeans-Geschichte schreibt: Levi Strauss.
Das Geburtshaus von Levi Strauss in Buttenheim beherbergt seit neuestem das "Levi Strauss Museum: Jeans & Kult". (Fotos: Ingrid Ort)

Buttenheim in der Fränkischen Schweiz – eine 3000 Seelengemeinde, vier Brauereien, Autobahnanschluss. Doch sie fehlt in keinem Lexikon Amerikas. Kein Wunder, denn Buttenheim ist unmittelbar mit dem Symbol des Wilden Westens und dem ur-amerikanischen Kleidungsstück verbunden: der Jeans. Im Geburtsort von Levi Strauss steht das "Levi Strauss Museum -  Jeans & Kult" .

Willkommen in der guten Stube

Braunes Segeltuch, das ist der Stoff, aus dem Legenden genäht werden. Legenden, wie die der Jeans zum Beispiel. Denn wäre Levi Strauss auf seinem Weg nach San Francisco nicht auf die Idee gekommen, den Stoff für Zeltplanen und Wagendecken zu opfern, es würde sie heute nicht geben, die Jeans. Eine Legende aber auch, deren Wahrheitsgehalt das "Levi Strauss Museum: Jeans & Kult" in Buttenheim nachgeht. Und auch die Person Levi Strauss wird durchleuchtet, denn das Museum will die Themen "Familie und Leben der jüdischen Familie Strauss", die "Entstehungsgeschichte der Jeans" und die "Jeans als Kultobjekt" abdecken – wobei auch das Geburtshaus von Strauss nicht zu kurz kommen soll.

So steht man denn in einem Raum, der nicht größer als eine Apartmentwohnung ist. Die Decke fällt einem nahezu auf den Kopf. Doch stolz erzählt die Stimme auf dem Tonband: "Dies hier war unsere gute Stube und der einzige beheizbare Raum. Hier lebten wir neun alle zusammen." Der Raum ist spärlich eingerichtet, auf einem Bildschirm stapfen zwei dick eingepackte Beine endlos durch den Schnee: "Mein Vater betrieb einen Hausierhandel mit Tuch und Kurzwaren – er musste sommers wie winters zu seinen Kunden laufen", so die Stimme. Drei Stationen weiter ist der Vater tot, die Mutter verarmt, und der Entschluss gefasst: Der 18jährige Loeb Strauss und der Rest der Familie wandern im Juni 1847 nach Amerika aus.

Vom Gemischtwarenladen ...

Und auch der Besucher begleitet ihn dabei: Denn durch ein Schattenspiel fühlt man sich am Pier von Bremerhaven in die Rolle der Auswanderer versetzt: Man reiht sich ein in die Schlange vor dem Schiff. Gepäck gibt es kaum, denn "alles, was wir nicht unbedingt benötigten, mussten wir verkaufen", tönt es vom Band. Drei Monate später sind sie in New York, wo Loeb in die Fußstapfen seines Vaters tritt und Händler wird. Animiert durch die Goldfunde in Kalifornien reist Strauss im Februar 1853 über Mittelamerika nach San Francisco, um "erneut ein neues Leben zu beginnen". 20 Jahre verdient sich der mittlerweile als Levi Strauss eingebürgerte Franke sein Geld durch den Verkauf von Zahnbürsten, Kämmen, Hosenträgern aber auch Ausgeh- und Arbeitskleidung, Stoffen und Kurzwaren.

... zum Weltkonzern

Erst dann – 1872 – beginnt die Geschichte der Jeans: An einem überdimensionalen Metermaß kann der Besucher die Stationen der Entstehungsgeschichte der Jeans verfolgen: das Patent für die "Nieten zur Verstärkung der besonders belasteten Stellen" vom 20. Mai 1873, das Einnähen des Doppelbogens, des so genannten Arcuate, auf der Gesäßtasche ab 1873, die Entdeckung des künstlich hergestellten Farbstoffs Indigo 1890 und die Produktion der ersten "501", die Expansion der Firma nach dem Erdbeben 1906, die ersten Werbefeldzüge. Informationen über Informationen, per Knopfdruck abrufbar von einem tragbaren Abspielgerät. Dadurch wurde zwar auf unübersichtliche und platzraubende Schautafeln verzichtet, doch das unmittelbare Erleben, wie eine Jeans hergestellt wird, kommt zu kurz.

Legenden hinter Glas

Statt Stoffe, Nieten und Garn zum Anfassen: Bilder, Zeichnungen, Patente und Briefe – fein säuberlich hinter Glas aufgereiht. Und auch die Jeans-Oldtimer, die Vintages, aus der Sammlung von Jörg Katins und Jürgen Depken, sind nur in Glasvitrinen zu bestaunen, genauso unantastbar wie der Mythos Levi Strauss und dessen Produkte. Aber vielleicht ist das gerade von den Museumsmachern gewollt: Geben sie der Jeans – dank der Informationen zu ihrem Erfinder – doch ein Gesicht: das von Levi Strauss, dessen Leben selbst einer Legende gleicht.

Ingrid Ort

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Tipps für Reisen

Anreise

Die Marktgemeinde Buttenheim ist knapp 20 Kilometer von Bamberg entfernt und liegt direkt an der Autobahn A 73, dem Frankenschnellweg, Ausfahrt Buttenheim. Von dort ist der Weg zum Museum in der Marktstraße 33 ausgeschildert.

Information

Das Museum, Marktstraße 33, hat dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr (im Winter bis 17 Uhr) sowie samstags und sonntags zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 2,60 Euro. Tel. 0 95 45/4 40 99 36, www.levi-strauss-museum.de

Das Museum in Kürze

Ein scheinbar unauffälliger Brief aus Milwaukee brachte 1983 den Stein ins Rollen: Betty Gruenwald bat den damaligen Bürgermeister der Marktgemeinde um Informationen über den Geburtsort von Levi Strauss. Buttenheim, das bis dahin glaubte, dass das benachbarte Bad Windsheim die Heimatgemeinde des Jeanserfinders sei, suchte in seinen Archiven – und wurde fündig: Levi Strauss wurde am 26. Februar 1829 als Loeb Strauss in der heutigen Marktstraße geboren. Seitdem arbeitete man am Erhalt des Geburtshauses und entschied sich, das Haus in ein Museum umzuwandeln.

Neben Informationen über das Leben der Familie und die Geschichte der Jeans geben 13 wechselnde "Jeans-Oldtimer" – so genannte Vintages – aus der Sammlung von Jörg Katins und Jürgen Depken, die dem "Levi Strauss Museum" als Dauerleihgabe zur Verfügung stehen, einen Überblick über 70 Jahre Jeansdesign.

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