

Etwa 114 sm
Nachdem wir gegen 11.30 Uhr in Travemünde von Lübecks Stadtpräsident, Freunden, Vereinsmitgliedern und Unterstützern verabschiedet worden waren, lag viel Wehmut, aber auch Vorfreude auf die kommenden Wochen in der Luft.
Das Wetter meinte es zunächst gut mit uns, denn mit viel Sonne und mittlerem Wind aus östlichen Richtungen konnten wir nach kurzer Motorfahrt die Lübecker Bucht gut unter Segeln verlassen und unseren Kurs anlegen.
Soweit das Auge reichte, waren wir schon bald ganz allein auf dem Meer. Die Ostsee zeigte sich von Ihrer friedlichen Seite, was Jakob dazu veranlasste, endlich seinen großen Angelambitionen freien Lauf zu lassen - nicht ohne Erfolg!
Bereits drei Stunden nach Verlassen der Travemünder Kaiserbrücken war unsere abendliche Fischmahlzeit mit zwei Dorschen gesichert.
Die Nacht wurde in drei Wachen zu je vier Stunden gefahren. Sie verlief ohne weitere Zwischenfälle.
In den Morgenstunden frischte es nach einem plötzlichen Winddreher zunehmend auf. Schon bald waren statt der angesagten 1-5 Windstärken aus Süd, 7-8 aus Nord erreicht. Nach doppeltem Reffen des Großsegels und Wechsel von der Genua 1 auf die Fock wurde die Fahrt zu einer recht schaukeligen Angelegenheit und forderte ihren Tribut in Form seekranker Crewmitglieder. Nun bekamen die Bewohner der See zurück, was Ihnen vorher von uns genommen worden war - Fischsuppe.
Wikings Am-Wind-Eigenschaften, die hohen Wellen und der starke Wind machten es uns unmöglich, effizient Richtung Cap Arcona aufzukreuzen. Deshalb entschieden wir, unseren Kurs Richtung Barhöft, einem kleinen Hafen am Festland zwischen Zingst und Hiddensee zu ändern.
Einen sicheren Hafen für die kommende Nacht anzusteuern, um uns für den kommenden Morgen alle Optionen offen zu halten, erschien uns als das probateste Mittel.
In Barhöft angekommen konnten sich alle, trotz zum Teil erheblicher anfänglicher Gleichgewichtsprobleme, auf festem Land nach einem reichhaltigen Abendessen wieder flott regenerieren. Ein Glas Rotwein brachte am Ende die nötige Bettschwere.
Auf Grund der unsicheren Wetterlage entschieden wir uns nach einem Wetterbericht, aus dem sich keine zuverlässigen Westwinde ableiten ließen, unsere Route anzupassen. So werden wir nicht, wie ursprünglich geplant, Danzig über Christiansö bei Bornholm anlaufen, sondern südlich von Rügen, über Stralsund und den Greifswalder Bodden gen Danzig segeln. Das polnische Festland sollte uns, bei den derzeit nicht auszuschließenden östlichen Winden, zumindest den Faktor Welle beim Aufkreuzen reduzieren.
Regelmäßig schickt die Crew der Ostseefahrt von ihrem Hansetörn Logbucheinträge und Bilder an die Redaktion von reise-report.de. Sobald uns diese Mails erreicht haben, stellen wir die Informationen online. Die Fotos lassen sich übrigens per Mausklick vergrößern!