Zu Fuß zu den Naturwundern Neuseelands

Wandern in Mittelerde

Alles unter einem (Bus-)Dach: Zelte, Taschen, Essen
Manchmal muß man schwindelfrei sein – und Mut beweisen
Der Franz-Josef-Gletscher reicht bis in den Regenwald hinunter
Gefährliche Brandung: Schwimmen an der Westküste ist lebensgefährlich
Die Champagne Pools – mit 74 Grad zu heiß zum Baden
Kajaking im Morgengrauen im Milford Sound
„Bushman“ Brian weiß viel über die Tier- und Pflanzen- welt. Fotos: Andrea Weil

Vier Wochen war reise-report.de-Mitarbeiterin Andrea Weil am anderen Ende der Welt in Neuseeland überwiegend zu Fuß und per Zelt unterwegs. Hier Ihr Bericht.

Rundreise über neuseeländische Süd- und Nordinsel

Ich stecke fest zwischen umgekippten, mit Moos bewachsenen Bäumen, Farn- und Gräserfeldern, Büschen und brüchigen Steinen. Nie werden wir hier herauskommen! Barry, unser Wildnisguide, und Angelika, unsere Reiseleiterin, machen ein Zeichen: Wartet mal kurz! Einer schlängelt sich nach links, der andere nach rechts – dann haben sie den sogenannten „Pfad“ wieder gefunden. Dem ordnungsverwöhnten europäischen Auge zum Trotz: Es geht immer irgendwo weiter in dieser Wildnis.

Eine Ewigkeit scheint es her zu sein, dass wir am Lagerfeuer „Ham and Eggs“ zum Frühstück gebraten haben, seit Ewigkeiten schon scheinen wir durch diesen Wald im Fjordland National Park, auf der Südinsel Neuseelands, zu stapfen, über Baumstämme zu klettern und an Wurzeln hängen zu bleiben. Einmal aus dem Tritt geraten, zieht mich der schwere Rucksack mit Zeltstangen, Trinkflaschen und Wechselklamotten unweigerlich nach unten in die glücklicherweise weichen Moospolster. So achte ich mehr auf meine Füße als auf die Umgebung, bis sie wieder schmerzhaft auf sich aufmerksam macht: Ich renne mir den Kopf an einem tief hängenden Ast.

Die Trinkpause an einem namenlosen Fluss artet in eine regelrechte Wasserorgie aus. Nach einem letzten steilen Stück öffnet sich der Wald plötzlich zum Seeufer, wo Barry vor zwei Tagen sein Motorboot „geparkt“ hat. Die ganz Mutigen stürzen sich in das kalte Wasser – es tut gut, sich den Schweiß abzuspülen. Die elfköpfige Reisegruppe weiß: Wir haben ein einmaliges Abenteuer hinter uns. Mit Ausnahme von ein paar Jägern sind wir die einzigen Menschen, die jemals dieses Fleckchen Erde betreten haben – ein unglaubliches Gefühl.

Vier Wochen lang macht uns Reiseleiterin Angelika Pastoors auf einer Rundreise über Süd- und Nordinsel von Christchurch bis Auckland das „Land der großen weißen Wolke“, wie es die Maori, seine Ureinwohner, nennen, schmackhaft. Wir werden allerdings um so neugieriger auf das, was wir nicht sehen können, obwohl der Monat ausgefüllt ist mit Attraktionen:

  • Wanderungen durch in allen Variationen, auf Berge, die Gletscher,
  • entlang von Klippen und Stränden,
  • durch die Thermalgebiete, wo die Erde ständig zu kochen scheint,
  • dazu einmalige Tierbegegnungen
  • und neben Wandern andere Aktivitäten wie eine Fahrt mit dem „Milford Wanderer“, Kajaking und Fallschirmspringen.
  • Nicht zuletzt kommen wir in Kontakt mit den Landsleuten und ihrer Geschichte.

Ablauf der Rundreise

Nach dem - selbst gekochten, aber trotzdem guten - Essen hält Angelika die obligatorische Ansprache zum nächsten Tag: Wir ziehen weiter. Also wird um viertel nach Sieben mit gepackter Tasche gefrühstückt, danach werden die vom Veranstalter gestellten Zelte abgebaut und in den Anhänger verladen. Kein reiner Fahrtag, zwischendurch unternehmen wir kleinere Walks. „Standard - Rucksack“ bedeutet: Regenzeug, Trinkflaschen und etwas Warmes zum Überziehen. Zwar herrscht in Neuseeland im Januar Hochsommer mit für Wanderer angenehmen 20 bis 25 Grad, doch weht immer ein Wind auf der Insel und das Wetter kann schnell umschlagen. „Und wenn ihr das Zeug hundertmal umsonst mitgeschleppt habt: Wenn ihr es dann beim 101. Mal braucht, seid ihr froh, es dabei zu haben.“ Den Spruch kennen wir bald auswendig.

Wir haben Glück und selbst an der Westküste der Südinsel, dem regenreichsten Gebiet, strahlenden Sonnenschein. In einer Nacht im Tongariro Nationalpark gibt es Frost, aber dank unserer Schlafsäcke frieren wir nicht sehr. Am Ende der Reise übernachten wir, von einer plötzlichen Sintflut überrascht, in Hütten, die nahezu überall an Urlauber vermietet werden.

Die Tageswanderungen sind für jeden, der einigermaßen fit ist, problemlos zu meistern. Sowohl schnelle als auch langsame Läufer kommen auf ihre Kosten: Die einen können zusätzliche Schleifen drehen, die anderen müssen nicht ganz bis zum Gipfel. Als ich mich für die Tongariro Crossing Tour nicht stark genug fühle, hat Angelika gleich drei einfache Ausweichtouren parat, die mich voll und ganz entschädigen.

Lange Autofahrten durch die weite, menschenleere Landschaft werden durch eine gute Musikauswahl versüßt. Der Beifahrer wandelt sich zum DJ. Ständig ruft irgend jemand „Fotostopp“, um ein Bild von der fantastischen Szenerie zu schießen, die vor den Fenstern vorbeizieht.

Von Dinosaurier und Hobbits

Es ist, als betreten wir einen großen, kühlen, grünen Raum. Gerade noch haben wir uns den Sand vom Meeresstrand aus den Schuhen geklopft und sind über Holzstege durch die salzige, feuchtwarme Sumpflandschaft gelaufen, als wir jenseits der Waldgrenze plötzlich ein völlig anderes Klima haben als drei Meter davor. Das Zirpen und Klicken der Zikaden und Krickets wird ohrenbetäubend. Der „Dune Lake Walk“ in der Nähe von Haast Village an der Westküste der Südinsel wird zum biologischen Lehrpfad, wenn man eine Reiseleiterin dabei hat, die zu jedem Farn etwas zu erzählen weiß.

Neuseeland scheint eine Art ökologisches Experiment zu sein: Die Hälfte aller Pflanzen und der größte Teil seiner Landtiere sind von Kolonisten eingeführt worden. Ginster als Weidebegrenzung für Schafe, Heidekraut für die Rebhuhnjagd... Mittlerweile sind nicht nur Tiere wie das Possum, ein Beuteltier, zur Plage und zur Gefahr für die einheimische Flora und Fauna geworden, sondern auch viele Pflanzen.

Uns jedoch scheinen die Wälder, durch die wir wandern, urwüchsig und wild. Immer wieder fühlen wir uns in die Szenerie des „Herrn der Ringe“ versetzt – nicht umsonst wurde der Film hier in Neuseeland gedreht. Zwischen moosüberzogenen Baumstümpfen rechnen wir ständig damit, auf Ents oder Hobbits zu treffen. Dann wieder schließen uns riesige Baumfarne ein und erzeugen eine Urzeitstimmung. Ein paar Kilometer weiter glauben wir, australische Krokodilssümpfe zu erkennen. Am Straßenrand sind die Büsche vom ewigen Wind zu festen, gefleckten Blöcken zusammen gepresst, die Äste der Bäume wachsen nur in Richtung Osten – „Windflüchter“ werden sie genannt. Innerhalb einer knappen Stunde Fahrt können wir uns in einer anderen Klimazone mit einer ganz anderen Vegetation wiederfinden.

Sieh auf zu den Bergen...

Der Hubschrauber durchbricht die Wolkendecke. Gleißend helles Sonnenlicht strömt durch die Fenster herein. Der Anblick verschlägt uns die Sprache: Vor uns erheben sich die schneebedeckten Gipfel des Mt. Cook und des Mt. Tasman. Das makellose Weiß strahlt mit der Sonne um die Wette. So weit das Auge reicht: ein weißer Teppich. Kaum können wir Schnee von Wolken unterscheiden. Wir fliegen zwischen den beiden Gipfeln durch, fast könnten wir sie berühren. So nah werden wir ihnen wohl nie mehr kommen.

Der Pilot setzt zum Landeanflug auf den Franz-Josef-Gletscher an. Zusammen mit seinem Nachbarn, dem Fox Gletscher, bietet Franz-Josef ein einzigartiges Naturschauspiel: Die neun Kilometer lange Gletscherzunge reicht bis auf 200 Höhenmeter hinunter, schlängelt sich bis in den Regenwald.

Ob wir am Fuße des Mt. Cook wandern, den Alex Knop besteigen oder versuchen, einen Blick auf die wolkenverhangene Spitze des Mt. Egmont zu erhaschen – die Berge sind auf dieser Reise einfach nicht wegzudenken. Auf dem sumpfigen Bergrücken oberhalb des Key Summit essen wir zu Mittag und genießen einen atemberaubenden Rundblick auf das Fjordland. Zwischen niedriger, alpiner Vegetation und Geröll beschert uns der Mt. Cook, mit 3753,5 Metern höchster Berg Neuseelands, eine Aussicht auf seine zahlreichen Gletscher. Mt. Egmont auf der Nordinsel hüllt sich zwar in Wolken, verschont uns allerdings mit seinen berüchtigten Schneestürmen, die jährlich drei bis sechs schlecht ausgerüsteten Bergwanderern das Leben kosten. Da ich die Tongariro Crossing Tour nicht mitmache, kann ich Mt. Ngauruhoe nur von Ferne bewundern. Im Film „Herr der Ringe“ spielt der erloschene Vulkan die Rolle des „Schicksalsberges“. Meine Mitreisenden verweilen auf ihrer Wanderung auch nicht lange auf der „Ebene von Mordor“ – der Wind ist einfach zu kalt, um Pause zu machen.

Im Sand, am Strand und anderswo

Die Wellen rollen schäumend den Strand herauf, golden im Schein der untergehenden Sonne, die nur einzelne Strahlen durch die Wolken schickt. Warm ist es, das Wasser wäre sicher angenehm... Aber Angelika hat uns vor den lebensgefährlichen Strömungen vor der Westküste gewarnt. Außerdem stürzt sich eine Armee von Sandflys auf jedes Stück nackte Haut, das sie finden kann. Eine fiese Spezies, deren Stiche drei Wochen lang jucken und die gegen europäisches Insektenschutzmittel offenbar immun ist – wir reiben uns mit einheimischem Gift ein. Trotzdem ist dieser Strand in der Nähe von Haast Village der schönste, den ich je gesehen habe: Zwischen Steinen und Muscheln findet sich glatt poliertes Treibholz, bilden ganze Baumstämme bizarre Skulpturen.

Zum Schwimmen kommen wir noch zu Genüge im Abel Tasman Nationalpark, dessen Meeresküste nicht umsonst „Golden Bay“ genannt wird: Bucht neben Bucht mit goldgelbem Strand, der sanft ins warme Wasser der Tasmanischen See abfällt. Wir wandern in Kleingruppen den Küstenweg entlang und lassen uns nach ausgiebigem Baden vom Wassertaxi zurück zum Campingplatz bringen.

Am Hot Water Beach in der Nähe von Tairua (Nordinsel) ziehen manche noch am späten Abend mit einem Spaten los, um am Strand unterirdische heiße Quellen im Sand aufzustöbern und frei zu legen. Bei der nächsten Ebbe am Morgen müssen wir die lauschigen, selbst gegrabenen Pools mit vielen anderen Touristen teilen.

Noch mehr als die Badestrände beeindrucken uns die Klippen an der Küste - ob wir uns über die scheinbar in dünnen Schichten übereinander gestapelten Pancake Rocks („Pfannkuchen-Felsen“) bei Punakaiki wundern, darauf warten, dass die Wellen durch in Jahrhunderten frei gewaschene Felslöcher emporschießen, oder kugelrunde Steine, die Boulders, in Moeraki bestaunen.

Der Teufel lädt zu sich nach Hause ein

Schillernd grün von Arsensulfiden hebt sich der See vom hellen, schwefelgelb gefärbten Gestein ab. „Devil´s Bath“ (Teufelsbad) wird dieses seltsam gefärbte Gewässer im Thermalgebiet von Wai-O-Tapu genannt – nach seinem Wohnzimmer und seinen Tintenfässern haben wir jetzt beinahe die komplette Einrichtung des Teufels bewundern können. Der „Ort des heiligen Wassers“, wie ihn die Maori nennen, gibt uns das Gefühl, auf einem Kochtopf zu stehen: Überall blubbert und dampft das Wasser, liegt der Schwefelgeruch von faulen Eiern in der Luft. In kleinen Löchern scheinen Wasserspeier zu sitzen, winzige Geysire, die kaum mehr als ein paar Tropfen in die Luft spritzen. Wir laufen durch einen Gesteins- und Wassergarten mit den unglaublichsten Farben: Eine im Sonnenlicht grellweiße Ebene mündet in eine Seepalette aus Grün, Rot, Orange, Schwarz und dem unvermeidlichen Schwefelgelb.

Das sehr touristisch geprägte Wai-O-Tapu haken wir in knapp eineinhalb Stunden ab, um mehr Zeit für das Vulkantal von Waimangu zu haben: Hier sind kleine, von heißem Wasser sprudelnde Hügel und vor Schwefel dampfende Terrassen mitten in Wälder, Sümpfe, ehemalige Vulkankrater und Farnfelder integriert. Manchmal sieht der Wanderweg sehr neu aus. Angelika erzählt: „Vor ein paar Jahren sind wir noch dort unten entlang gelaufen“, und deutet auf vom heißen Wasser überspülte Stufen jenseits der Absperrung. Dunkelgrüne Algen bewegen sich in der Strömung: Sie halten Wassertemperaturen bis zu 75 Grad aus. Auf dem Weg zum Bratpfannensee steigen plötzlich zwischen Felsen und Gräsern Dampfwolken auf. Nicht umsonst warnen Schilder: Gefahr! Nicht betreten! Doch verschiedenste Pflanzen und Tiere fühlen sich wohl, trotz der unruhigen Erde: Besonders amüsiert uns eine Kalifornische Schopfwachtel, als sie mit vorwitzig wippender Kopffeder vor uns davontrippelt.

Von Robben gejagt

Wie angewurzelt stehen wir auf der Schafweide und starren gebannt auf den Gelbaugenpinguin, der direkt vor uns den grünen Hügel emporwatschelt, seine zwei kreischenden Kinder im Schlepptau. Wir heben in Zeitlupe unsere Kameras vor die Augen, achten darauf, dass kein Blitz eingeschaltet ist: Die Vögel haben empfindliche Augen. Der Pinguin wirft uns, kaum drei Meter entfernt, einen misstrauischen Blick zu, dreht sich um und würgt seinem hungrigen Nachwuchs Fischbrei in den Schnabel. Und das, obwohl unser Führer noch gewarnt hatte: „Sie mögen uns nicht, sie mögen sich gegenseitig nicht.“ Ein besseres Bild bekommen wir nicht noch einmal vor die Linse, auch nicht, als wir durch die mit Tarnzelten überdachten Beobachtungstunnel kriechen.

Der Tag auf der Halbinsel vor Dunedin ist angefüllt mit fantastischen Tierbegegnungen: Die Albatrosse auf der Beobachtungsstation von Taiaroa Head: Sieben Gelege kann man von der Beobachtungshütte aus sehen, dazwischen immer wieder Jungvögel, die noch nicht lange von ihrem fünfjährigen Flug rund um den Südpol zurückgekehrt sind. Nur zu gerne führen sie uns ihre Segelkünste mit ihren prächtigen, drei Meter langen Schwingen vor.

Am Fuße der Klippen haben es sich ein paar Pelzrobben bequem gemacht. Sie lassen sich kaum von den Touristen stören, die um sie herumschwärmen und knipsen. Nur als eine unserer Reiseteilnehmerinnen einem Bullen zu nahe kommt, geht er auf sie los und jagt sie über den halben Strand.

Seelöwenjunge im „Kindergarten“, einen ein Meter langen Aal mit blauen Augen, ein Possum, das unseren Müll plündert, freche Bergpapageien und viele Vögel begegnen uns in den vier Wochen unserer Rundreise. Nur der Kiwi, ein flugunfähiger, vom Aussterben bedrohter Vogel und das Nationaltier Neuseelands, verwehrt sich uns. In der Wildnis glauben wir ihn eines Nachts pfeifen gehört zu haben – aber Barry, unser Wildnisguide, hat viel Talent im Nachahmen.

Mehr als Wandern

Die Berggipfel werden schon von der aufgehenden Sonne angestrahlt, aber das Wasser, eingerahmt von den fast senkrechten Felswänden des Milford Sound, liegt noch im Schatten. Es ist kühl, besonders, wenn Wasser von meinem Paddel ins Kajak tropft. Trotzdem bin ich schon gut eine Stunde hier draußen, lasse mich am Ufer entlang treiben oder umrunde das Schiff, den „Milford Wanderer“, ein motorbetriebenes Segelboot, mit dem wir gestern in den Fjord hinaus gefahren sind. Ich hege ja die leise Hoffnung, dass ich noch ein paar Flaschennasendelfine sehe und ihnen in meiner Nussschale näher kommen kann als gestern von der Reling aus. Aber es ist ihnen wohl zu ruhig, zu langweilig, nicht wie das Wettrennen mit dem Motorsegler, als sie immer wieder aus der Gischt emporschossen oder in letzter Sekunde dem Bug auswichen.

Eine Lautsprecherdurchsage durchbricht die morgendliche Stille: Der Kapitän bittet alle, die sich mit einem Kajak haben aussetzen lassen, wieder an Bord zu kommen. Es soll zurück zum Hafen gehen.

Dass man mit einem Kajak auch auf dem Meer paddeln und sogar segeln kann, lernen wir ein paar Tage später im Abel Tasman Nationalpark. Auch das geheimnisumwitterte „Blackwater Rafting“, von dem uns Angelika nur so viel verraten will, dass es etwas mit Glühwürmchen zu tun hat, ist im Preis für die Reise inbegriffen. Doch auch in Queenstown, der „Spielstadt“ des Landes, möchte keiner einen faulen Tag verbringen: Gegen eine Extragebühr toben sich die einzelnen Reisemitglieder bei Paragliding, Bungee-Jumpen und Fallschirmspringen aus. Ich lasse es geruhsamer angehen mit einem zweistündigen Ausritt zu Pferde durch das hügelige Umland, schließlich kostet auch der Hubschrauberflug über die Gletscher noch einiges. Aber auch wenn manchem aus der Gruppe die Preise von den einzelnen Aktivitäten zuerst ziemlich hoch erscheinen: Hinterher ist jeder überzeugt, dass es sich gelohnt hat.

Leben am Ende der Welt

Zwar haben wir in den vier Wochen unserer Rundreise hauptsächlich Kontakt zu Tieren und Pflanzen, aber auch ein paar interessante Begegnungen mit „Kiwis“, wie sich die Neuseeländer selbst nennen:

Auf Steves Schaffarm in Te Anau schauen wir zu, wie zwei Scherer den Schafen das Hinterteil rasieren – „scratchen“, damit sich in der schmutzigen Wolle keine Krankheitserreger einnisten. Das schnelle Tempo und die gebückte Haltung halten die Männer acht Stunden am Tag durch – sie bekommen ihren Lohn pro Tier ausgezahlt. Nach einem kleinen Rundgang über das ausgedehnte Farmgelände sitzen wir bei einem köstlichen Lammbraten zusammen – aber auch unsere Vegetarierin kommt nicht zu kurz.

Im Pukekura Bushman Center demonstriert uns Brian auf einer wackeligen Leiter, wie ohne moderne Maschinen die riesigen Urwaldbäume gefällt wurden. Auch die frühe Rotwildjagd kostete viele Verletzte: Junge Männer ließen sich aus Hubschraubern fünf Meter in die Tiefe auf den Rücken eines Tieres fallen, um es zu Boden zu werfen und seine Beine zu verschnüren. Dann stellt uns Brian das gefährlichste Tier Neuseelands vor: Das Wildschwein. Dieses Exemplar benutzt jedoch seine mächtigen Hauer, um friedlich die dargebotenen Brötchen zu verzehren.

„Ich würde nie auf der Nordinsel leben wollen“, sagt Ken. „Viel zu viele Menschen.“

Dazu muss man wissen, dass in Neuseeland auf einer Fläche, die so groß ist wie die alte Bundesrepublik, 3,5 Millionen Einwohner leben, etwa so viele wie in Berlin. 1,1 Millionen davon tummeln sich allein in Auckland, der größten Stadt des Landes – auf der Nordinsel gelegen.

Wir sitzen am liebevoll gedeckten Frühstückstisch und lassen uns den Toast schmecken. Zwei Nächte haben wir bei unseren Gasteltern Ken und Jackie verbracht. Zum Abschied werden wir, nach Art der Neuseeländer, herzlich gedrückt.

Andrea Weil

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reise-report

Tipps für Reisen

Landessprache

Die offiziellen Landessprachen sind Englisch und Maori.

Klima und Reisezeit

Auf der südlichen Halbkugel sind die Jahreszeiten genau umgekehrt wie auf der Nordhalbkugel: In Neuseeland ist von Dezember bis Februar Sommer und von Juni bis August Winter.

Das Klima reicht von gemäßigt kontinental auf der Südinsel bis subtropisch auf der Nordinsel. Im Süden kann man in den Bergen auch im Sommer kühle Nächte haben.

Für eine Reise nach Neuseeland sollte man ein festes Schuhwerk für Wanderungen, Badezeug, Regenschutz, Sonnenbrille und Sonnencreme mitnehmen.

Ortszeit

In der europäischen Sommerzeit ist uns Neuseeland zehn, im Winter zwölf Stunden voraus.

Einreise

Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen einen Reisepass, der mindestens drei Monate über das vorgesehene Rückreisedatum hinaus gültig sein muss, sowie ein gültiges Rück- oder Weiterflugticket.

Quarantäne und Naturschutz

Strenge Reglementierungen für die Einfuhr von Lebensmitteln, Tieren und Pflanzen. Lebensmittel dürfen nicht unangemeldet eingeführt werden.

Ausreisesteuer

Für alle internationalen Flüge wird eine Flughafensteuer erhoben. Sie liegt derzeit bei 25 Neuseeland Dollar (NZD), das sind rund 12,5 Euro.

Auskünfte allgemein

Fremdenverkehrsamt von Neuseeland,
Roßmarkt 11,
60311 Frankfurt/Main,
Tel. 060/ 97 12 11-0 ( persönliche Fragen werden nur dienstags und donnerstags zwischen 9 und 12 Uhr beantwortet),
Fax 069/ 97 12 11 13,
E-Mail: info(at)newsealand.de,
Internet: www.purenz.com

Auskünfte zur Tour:

Unsere Autorin war unterwegs mit der Agentur Sidetracks (www.sidetracks.de), einem neuen Erlebnisreiseanbieter mit langjähriger Erfahrung. Detailprogramm und andere Reiseangebote von finden Sie auch unter www.trails-reisen.de

Tipp

In Marahau im Abel Tasman Nationalpark befindet sich nahe des Campingplatzes „The Barn“ die „Arts Unique Gallery“ mit einzigartigen Holzschnitzereien, Muschelschmuck, Figuren aus Knochen, bemalte Tücher und vielem mehr. Manche Werke stehen gar nicht zum Verkauf, die Künstler freuen sich, wenn Besucher einfach nur zum Bewundern kommen, und sind gerne bereit, die Geschichte zu diesem oder jenem Exponat zu erzählen.

Für Schleckermäuler

Fast jeden Tag kommt man an einem Laden vorbei, der das leckere Tip-Top-Eis verkauft. Für 70 Cent bis 1,10 Dollar stopfen die Verkäufer in eine „Single“- Waffel, was nur möglich ist. Ein „Double“ ist kaum zu schaffen. Interessante Geschmackskombinationen bieten Gummibärchen, Orange mit Schokostückchen und das undefinierbare Hoky-Poky.

Wussten Sie schon...

...dass die berühmte Kiwi-Frucht ursprünglich aus China stammt? 1952 wurde die „Chinesische Stachelbeere“ nach Neuseeland eingeführt und von Marketingexperten in „Kiwi“ umbenannt. Lange Zeit bewahrten die Neuseeländer das Zuchtgeheimnis, zum Beispiel, dass ein Kiwi-Baum in den ersten sieben Jahren überhaupt keine Ernte einbringt. Heute allerdings bieten viele Länder das Obst zu billigeren Preisen an. So werden auf den Inseln die Kiwis teilweise als Schweinefutter verwendet. Der neue Exportschlager sind Äpfel.

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