8. Etappe, 21.bis 22 Mai: St. Petersburg-Kotka

Aus dem Logbuch der Wiking Crew

St. Petersburg liegt hinter uns

Eine Expressfahrt

Ca. 127,5 Seemeilen

Wecken um 7:30. Dietmar und Eva mußten uns Richtung Busbahnhof verlassen, während Jörg und Holger für uns einkaufen gingen.

Um 11 Uhr waren wir dann seeklar und verließen unseren Hafen Richtung Fährterminal, wo wir beim Zoll und der Einwanderungsbehörde auschecken mussten. Obwohl die Prozedur diesmal erheblich entspannter vonstatten ging als bei unserer „illegalen“ Einreise, brauchten wir doch fast 5 Stunden. Allerdings erfuhren wir am Ende, dass die Agentur „Inflot“ in solchen Fällen die Einreise organisieren kann und damit die Wartezeiten auf normalerweise 20 Minuten reduziert werden könnte… Ein guter Tipp fürs nächste Mal.

Unter Motor ging es dann begleitet von Jazzklängen Richtung Kronstadt, wo wir erneut zur Passkontrolle vorstellig werden mußten. Hier verbrachten wir allerdings nur etwa 45 Minuten.

Damit war der Weg nach Westen frei, die „Expressfahrt“ begann.
An der Mole von Kronstadt stieg unser Spinnaker, der uns mit seinen 120 Quadratmetern kräftig vorwärts zog. Was jetzt kam, ließ das Seglerherz aufblühen. Keine Welle, leicht zunehmender Wind aus erst Ost, später SO brachte die immerhin 12 Tonnen schwere Wiking ordentlich auf Trab. Bei diesen perfekten Bedingungen entschieden wir uns, die Nacht unter Spinnaker weiterzulaufen, da es in den vergangenen Tagen selbst nach Sonnenuntergang ausreichend hell geblieben war.

So verbrachten wir diese Nacht mit drei Mann, davon zwei eingepickt im Schlafsack an Deck, während einer unter Deck schlafen konnte. Die See rauschte an uns vorbei, während hinter dem Horizont die Sonne rot glühte. Es ist schwer zu beschreiben.

Um 01:00 halsten wir bei auf Südost drehendem Wind. Auf dem anderen Bug kamen wir mit knapp 8 Knoten über mehrere Stunden richtig gut voran. Gegen 3 Uhr morgens konnten wir bei weiter rückdrehendem Wind die nötige Höhe nicht mehr halten und mussten auf die Genua wechseln. Etwas traurig packten wir den Spinnaker zurück in seinen Sack. Es sollte nicht von Dauer sein.

6,5 Knoten im Schnitt über 13 Stunden – für unser treues Knickspant-Stahlschiff eine irre Geschwindigkeit.

Etwa zeitgleich verließen wir auch die Gewässer der russischen Föderation, deren Coast Guards diese Nacht genau über uns gewacht hatten. Bei allen Kursänderungen von mehr als zehn Grad kam über Funk die Frage nach Name, Kurs, Geschwindigkeit und Zielhafen.

Zurück in der europäischen Union liefen wir um 9:00 Uhr in Haapasari, einem kleinen finnischen Grenzhafen ein, bei dem wir die Passport Control durchführen mußten. Die äußerst zuvorkommenden und höflichen Beamten benötigten inklusive Ihrer eigenen Anreise zirka 20 Minuten für die Erledigung der notwendigen Formalitäten und die Überprüfung der Pässe. Am Ende schenkten Sie uns sogar noch vorgedruckte Crewlisten auf Deutsch zur Vereinfachung der Formalitäten bei zukünftigen Grenzübertritten. Wir waren erstaunt.

Haapasaris enge Einfahrt hinter uns setzten wir erneut voll auf unser Zugpferd, den Spinnaker, der uns bis 5 Meilen vor Kotka brachte. Dann blieb der Wind plötzlich weg, so dass wir den letzten Teil dieser Etappe mit dem Motor beenden mussten.

In Kotka angekommen genossen wir kurz die Idylle und die friedliche Atmosphäre, bis wir nach Aufklaren des Bootes für etwa zwei Stunden in unsere Kojen fielen. Ausgiebig geschlafen hatte in dieser Nacht niemand.
Um 18.00Uhr waren wir mit der Leiterin des Jugendressorts der Stadt zum Essen verabredet. Gemeinsam mit Vertretern von Pfadfindern, des ansässigen Segelvereins und des Bereichs Kultur der Stadt Kotka begaben wir uns in ein idyllisches Restaurant direkt am Yachthafen, wo wir die beste Mahlzeit der vergangenen drei Wochen zu uns nahmen. Es entwickelte sich ein freundschaftliches Gespräch, bei dem wir Gelegenheit hatten, etwas über das Leben im südöstlichen Finnland von den langen Wintern über die warmen Sommer abseits der Touristenrouten bis hin zum finnischen Jugend- und Schulsystem zu erfahren. Nach der feierlichen Übergabe der Gastgeschenke zeigten wir der bunten Delegation Fotos der Reise und tauschten Erfahrungen aus.

Anschließend schliefen wir gut gesättigt bis lange in den nächsten Tag. Das war nötig. Nur Jörg, den die senile Bettflucht bereits um 8:00 Uhr ereilte, kümmerte sich um das Wohlergehen der Gemeinschaft und zauberte ein Frühstück mit Brötchen und Rührei, das wir in dieser Form lange nicht mehr zu uns genommen hatten.

Am Nachmittag hatte Helena uns ein interessantes Programm in Kotka (www.kotka.fi) angeboten, das wir gerne nutzten. Ein Besuch eines Eisbrechers im Hafen und eines großen Aquariums mit heimischen Fischarten ließen den Nachmittag wie im Fluge verstreichen.

Leider wurden wir aus dieser idyllischen Stadt viel zu schnell heraus gerissen, da am nächsten Tag ein Termin in Helsinki anstehen sollte.

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reise-report

Bilder der 8. Etappe

Unter Spinnacker ging es ...
... flott voran
Sonnenuntergang im westlichen Russland
Ein glücklicher Skipper
konzentrierte Seebären bei der Arbeit
Treffen mit der freundlichen Delegation aus Kotka

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