

Porto gilt als die größte Industriestadt ihres Landes, steht aber dennoch im Schatten der Landeshauptstadt Lissabon. Sie ist berühmt für ihren Hafen und als Ausgangspunkt für Reisen in die „Neue Welt“. Gemeinsam mit Rotterdam trägt sie den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“. Anders als in Rotterdam, das im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde, ist in Porto die mittelalterliche Hafen- und Handelsstadt noch lebendig.
Die Gassen in Ribeira, der Altstadt Portos, sind eng und dunkel. Kaum eine, in der zwei Autos nebeneinander passen würden. Holprig geht es zu auf dem glatten, glitschigen Kopfsteinpflaster, dessen Steine nur selten auf einer Höhe zu sein scheinen. Feuchtigkeit dringt aus den Ritzen der alten Granitsteinhäuser, die sich dicht an dicht schmiegen und die schmalen Gassen noch enger erscheinen lassen. Ein leicht modriger Duft macht sich breit und vermischt sich mit dem Geruch von abgestandenem Wasser je mehr man sich dem Fluss nähert. Eine Ahnung, wie es im Mittelalter ausgesehen und gerochen haben muss, hier im ältesten Teil Portos, macht sich breit.
Doch kaum, dass man auf der erhöhten Uferpromenade steht, erkennt man den Grund für den Geruch: Der Rio Douro ist vor einigen Tagen über die Ufer getreten, die Bars und Restaurants an der Cais da Ribeira sind seitdem geschlossen. Am Ufer gegenüber, im Stadtteil Vila Nova de Gaia, stehen die meisten Portweinkeller unter Wasser, doch die Aufregung hält sich in Grenzen: Abwarten heißt die Devise. 24 Stunden später ist der Spuk vorbei. Ein Putzkommando rollt an und kehrt die Wasserlachen aus den Kneipen. In manchen Ecken stehen riesige Heißluftgeräte, die die Nässe vertrieben sollen – schließlich werden in zwei, drei Stunden die ersten Gäste erwartet.
Eine handvoll Tische passen in die kleinen Kellergewölbe, von denen viele früher als Lagerräume genutzt worden sind. Die allerwenigsten sind verputzt, bei den meisten sind die Mauern freigelegt und Holz und Stein sichtbar. Denkt man sich die helle Beleuchtung weg, steigen Erinnerungen an alte Piratenfilme in einem auf. Doch statt raubeiniger Seefahrer legen in diesem Jahrhundert die Fußballer des FC Porto hier an – wie im Chez Lapin, dem wohl bekanntesten und teuersten Restaurant am Kai der Ribeira. Zahlreiche Fotos künden von feucht-fröhlichen Meisterschaftsfeiern und bilden einen merkwürdigen Kontrast zu den Werkzeugen und Hüten, die von der Decke baumeln.
Nur wenige Meter entfernt liegt ein kleines Segelschiff am Kai des Rio Douro. Die Segel sind eingeholt, die letzte Fahrt scheint Jahre herzusein. Ab und an pendelt es noch zwischen der Altstadt und dem Portweinviertel Vila Nova de Gaia hin und her – als Touristenattraktion und Symbol für die Zeit, in der Portugal noch Seemacht war und über die halbe Welt regierte. Und die Handelsstadt Porto hat sich in das größte Industriezentrum ihres Landes verwandelt; allerdings außerhalb des Stadtzentrums. Geblieben sind die Ribeira und die Vila Nova de Gaia – und wer sich darauf einlässt, findet hier genügend Spuren, die ihn zurück in die Vergangenheit der wohlhabenden Hansestadt führen.
Ingrid Ort
Anreise
Porto erreicht man am schnellsten per Flugzeug. Täglich bietet die portugiesische Fluggesellschaft TAP Air Portugal Flüge ab München und Frankfurt an. Nach einem Zwischenstopp in Lissabon geht es direkt zum Flughafen Fransisco Sá Carneiro in Porto, wo den Passagieren ein Shuttleservice zu den bekanntesten Hotels angeboten wird.
Information
Weitere Informationen und Angebote beim Portugal-Spezialist Olimar unter der Servicenummer 01 80 / 5 23 74 74 und beim Portugiesischen Touristik- und Handelsbüro, Schäfergasse 17, 60313 Frankfurt/Main, Internet:
www.portugal-insite.de