Weit im Norden Deutschlands, etwa 65 km vor der dänischen Grenze und runde 30 km westlich von Kiel und damit auch der Ostseeküste, liegt die etwa 28.000 Einwohner zählende Stadt Rendsburg. Eine Vielzahl von Stadtteilen schart sich zu beiden Seiten des Nord-Ostsee-Kanals, wobei sich der innerstädtische Bereich in Richtung Norden orientiert.
Die Vergangenheit der heute über 800 Jahre alten Stadt zeigt eine bewegte Geschichte, die von Verwicklungen in zahlreiche Kriege, durch verheerende Feuersbrünste, mehrfach wechselnde Staatszugehörigkeit und eine spezielle Geschichte als eine über Jahrhunderte währende Rolle als Garnisonsstadt geprägt wird. Glücklicherweise blieb Rendsburg von nennenswerten Zerstörungen während der beiden Weltkriege des vorigen Jahrhunderts verschont, so dass der mitten in Schleswig-Holstein liegenden Stadt ihre repräsentativen Bauten und alten Bürgerhäuser aus zurückliegenden Jahrhunderten weitestgehend erhalten blieben.
Nicht nur die technisch interessierten Besucher von Rendsburg oder Eisenbahnfreaks bewundern vor allem das Wahrzeichen der Stadt, die im Jahr 1913 errichtete 42 m hohe Eisenbahnhochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal und die unter ihr hängende Schwebefähre. An insgesamt zwölf 35 m langen Stahlseilen hängend wird die 14 m lange Fähre in ihrer schwebenden Position über den Nord-Ostsee-Kanal befördert, und mit ihr die jeweils bis zu 60 Personen und sechs Autos. Pause macht die etwa vier Meter über dem Wasser schwebende Fähre nur, wenn die teilweise riesigen, den Nord-Ostsee-Kanal nutzenden Schiffe die Vorfahrt erhalten.
Wer die weiteren Sehenswürdigkeiten Rendsburgs erkunden möchte, tut gut daran, sich an dem blauen Weg zu orientieren, der auf einer Route von etwa 3,2 km Länge zu einigen weiteren kulturellen Einrichtungen führt. Gestartet werden sollte am Altstädter Markt vor dem historischen Rathaus aus dem 16. Jahrhundert - mit ein wenig Glück zu den Klängen eines Glockenspiels, das alle zwei Stunden eine kleine Melodie erklingen lässt. Das hinter einer kunstvoll verzierten Tür befindliche Bürgermeisterzimmer mit einer Vertäfelung aus dem Jahr 1720 kann allerdings nur im Rahmen einer Stadtführung besichtigt werden.
Gleich nebenan wartet mit der Marienkirche das aus dem Jahr 1287 stammende älteste Bauwerk der Stadt auf einen besinnlichen Besuch. Eine fast 400 Jahre alte Kanzel, der prächtige Altar und zahlreiche weitere Kunstwerke machen einen solchen auf alle Fälle lohnenswert.
Der Weg führt dann vorüber am ehemaligen Alten Hafen Rendsburgs, über den Schlossplatz bis hin zur Unterführung der Untereider, hinter der der Eiderökologie-Informationspfad beginnt. Nach Überquerung der Straße An der Bleiche führen die blauen Pfeile am Stadtsee entlang zum Skulpturenpark und von dort weiter zum Kulturzentrum der Stadt. In dieser im 17. Jahrhundert errichteten dreiflügeligen barocken Anlage des „Arsenals“ sind das Historische Museum und ein Druck-Museum untergebracht. Während ersteres über das frühere Militärwesen und über Handwerk und Zünfte in Rendsburg sowie die Schifffahrt auf Eider- und Nord-Ostsee-Kanal Auskunft gibt, spiegelt das Druck-Museum auf anschauliche Art die Entwicklung dieses Gewerbes wieder.
Es folgt dann der Paradeplatz, der in Anlehnung an seine ursprüngliche Gestalt und barocke Umbauung aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder hergerichtet wurde. Aus etwa dieser Zeit stammt auch das Gebäude der Christkirche, die neben dem wunderbaren geschnitzten Königsstuhl einen schönen Orgelprospekt und weitere Kunstwerke beherbergt.
Nach dem Passieren der Königsstraße, die zu einem kleinen Einkaufsbummel oder einer Einkehr in eines der Cafés oder Restaurants einlädt, wird schließlich das Jüdische Museum in der Prinzessinstraße erreicht. Es ist das älteste Museum seiner Art in Deutschland, beherbergt die frühere Synagoge und eine Gedenkmauer und dient heute gleichzeitig als wichtige Begegnungsstätte im norddeutschen Raum.
Der Weg führt nun an der anderen Seite des schon einmal passierten Skulpturenparks mit einer Menge an Skulpturen und Stelen vorbei, hin zum weißen Gebäude des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und endet schließlich kurz nachdem Rendsburgs ältestes Bürgerhaus „Zum Landsknecht“ eine hoffentlich bleibenden Eindruck von diesem Stadtbummel hinterlassen hat.
Nachdem der Besucher Rendsburgs die architektonische und kulturelle Vielfalt der Stadt je nach eigenem Bedarf erkundet hat, ist eine Erholungspause auf der mit 501 m weltweit längsten Bank am stadtseitigen Kanalufer angebracht. Dabei lassen sich die vorüberfahrenden großen und kleinen Schiffe in aller Ruhe betrachten. Alternativ ist selbstverständlich auch die Inanspruchnahme der schleswig-holsteinischen Gastlichkeit in einem der zahlreichen Restaurants der Stadt zu empfehlen, wo Rendsburg und die umgebende Region von der kulinarischen Seite her entdeckt werden können.