6. Etappe, 14. bis 17. Mai: Riga bis Tallinn

Aus dem Logbuch der Wiking-Crew

Ca. 238,5 sm

Die Übergabe der Lübecker Grußbotschaften sollte am Morgen im neuen Rathaus stattfinden. Dort angekommen begrüßte uns der stellvertretende Bürgermeister Herr Agalisund und schenkte uns ein Buch über Riga, welches er selbst geschrieben hatte. Im Anschluss führte uns eine Kollegin, die perfekt Deutsch sprach, durch das Gebäude. Von dem modernen Design und der gelungenen Kombination aus alt hergebrachten und neuen architektonischen Ideen waren wir alle beeindruckt. So hatte das wohl keiner von uns erwartet.

Nach der Verabschiedung ging es dann daran Riga zu erkunden. Die Stadt zeigte sich von Ihrer schönsten Seite.

Am späten Nachmittag gelang es uns die dringend benötigte Seekarte zu organisieren, die das Seegebiet um die recht enge Durchfahrt vom rigaischen Meerbusen in den finnische See abbildet. Es ist unsere erste russische Karte, herausgegeben vom Verteidigungsministerium, die sehr detaillierte Tiefen aber nur wenige Landmarken darstellt...

Den Abend verbrachte die Gruppe zweigeteilt. Während die eine Hälfte die Vorzüge der im Hafen vorhandenen Sauna ausgiebig nutzte, erkundete der andere Teil das Nachtleben von Riga.

Nach der Rückkehr noch schnell geduscht. Dann fielen die Festmacherleinen um 5 Uhr früh. Es ging auf die letzte Etappe für Jakob und Lena, die wegen eines Kurses an der Uni zeitlich leider gebunden sind.

Schon an der Mole gab es allerdings einen kräftigen Rückschlag. Ordentlich Wind genau aus Nordnordwest. Da wollten wir eigentlich hin. Wikings Am-Wind-Eigenschaften ließen bitteres ahnen. Aber es wurde bald besser. Nach dreimaligem Segelwechsel drehte der Wind mit ostwärts ziehendem Tief langsam auf West und schwächte sich ab. Damit war der Weg nach Norden für uns frei. Die sich bietende Chance nutzend, segelten wir Tag und Nacht durch und erreichten am nächsten Morgen die Inselgruppen Estlands im Moonsund.

Bei herrlichem Wetter stieg am Mittag der Spi und mit einem Schnitt von mehr als fünf Knoten ab Riga konnten wir am Abend sogar noch einen kurzen Landgang mit Strandspaziergang in Dirhami einlegen. Festgemacht zwischen Fischtrawlern an einem zerfallenen Pier aßen wir gemütlich zu Abend und genossen die Abendstimmung, umgeben von Nadelwäldern und weißen Sandstränden. Die schon im hellen schwierige Anfahrt in den Hafen durch die offen liegenden Klippen zwang uns noch vor Sonnenuntergang wieder aufzubrechen, um kein unnötiges Risiko einzugehen. So setzten wir um 21:30 Uhr vor der Ansteuerung von Dirhami erneut die Segel und nahmen endgültig Kurs auf Tallinn, das wir nach einer herrlichen Nachtfahrt am Montag in den frühen Morgenstunden erreichten.

Nach einem ausgiebigen Brunch an Bord und der wieder einmal dringend überfälligen Körperpflege werden wir heute Nachmittag die Stadt Tallinn erkunden und unser neues Crewmitglied Michael Kersting, der bereits gestern Abend mit dem Flugzeug eingetroffen ist, an Bord begrüßen.

Morgen erwartet uns der Empfang durch die Kultur- und Jugendsenatorin der Stadt Tallinn, der wir unsere besten Grüße und Gastgeschenke überbringen möchten. Danach heißt es nach gemeinsamen 1013,5 Seemeilen, Abschied von Lena und Jakob zu nehmen.

Vermutlich werden wir am Dienstagabend Richtung Russland aufbrechen, wo wir über die Grenzen des neuen Europa hinaus segeln werden und weiterhin auf Galileis Erkenntnisse vertrauen.

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reise-report

Bilder der 6. Etappe

Immer wieder idyllisch sind die Abendstimmung auf der Ostsee. Wohl dem, der hier Freiwache hat.
Zwischenstopp in Dirhami.
Der Strand von Dirhami. Landschaften von ungeahnter Schönheit.
Holger, Jörg und Christian genießen die Abendsonne ...,
... die sich bald wieder mit einem wunderbaren Schauspiel verabschiedet. Fotos: Crew

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