Das Ruhrgebiet ist vor allem durch seine industrielle Vergangenheit geprägt. Für mehr als hundert Jahre stand die Region als Synonym für Kohleförderung und Hochöfen. Bereits 1850 gab es in der Region über 300 Zechen, wodurch sich immer mehr Menschen im Ballungsraum Ruhrgebiet niederließen. Die unter Tage geförderte Kohle wurde in Kokereien weiterverarbeitet und diente schlussendlich zur Erzeugung von Stahl und Roheisen in Hochöfen. Durch die Kohlekrise und den einsetzenden Strukturwandel verlor das Ruhrgebiet in den 1950er Jahren seinen einstigen Glanz. Viele Zechen mussten geschlossen werden, aber inzwischen wurden viele der ehemaligen Industrieorte in Naherholungsgebiete, Freizeiteinrichtungen und Museen umgewandelt, die durch die Route der Industriekultur touristisch erschlossen sind.
Entlang der Route der Industriekultur können interessante Städte, einzigartige Attraktionen und auch abwechslungsreiche Landschaften erkundet werden. Denn obwohl viele Menschen meinen, dass das Ruhrgebiet nur aus Großstädten und Industriegebieten bestünde, ist dem nicht so. Wer der Route der Industriekultur folgt, erlebt nicht nur Beton und Stahl, sondern auch verschiedenenartige Naturräume und über wieder überraschende Attraktionen. So liegt ein Teil der Strecke entlang der Flüsse Ruhr, Rhein, Emscher und Lippe. Im Niederrheinschen Tiefland können zum Beispiel verschiedene Vogelarten in ihrem natürlichen Umfeld beobachtet werden. Denn aufgrund der Nähe zum Rhein ist dieses Gebiet relativ feucht, weshalb eine große Artenvielfalt besteht.
Wer Flora und Fauna liebt, wird ebenfalls das Emscherland mögen. Auch wenn ein Großteil des Gebietes seit der Industrialisierung bebaut ist, gibt es doch einiges zu entdecken. Es finden sich beispielsweise mehrere Wasserschlösser und kleine Wälder am Emslauf. Neben den eher ebenen Landschaften im Flussgebiet finden sich in den Randgebieten auch die Ausläufer des Bergischen Lands und des Sauerlands. Interessant sind an der Route der Industriekultur aber nicht nur die verschiedenen natürlichen Landschaftstypen, sondern auch wie einstige Industrieanlagen umgewandelt wurden. Egal, ob als kulturelle Begegnungsstätte, Museum oder Parkanlage – das Ruhrgebiet besticht durch seine neue Vielfalt.
Die Route der Industriekultur ist ein über 400 km langer Rundkurs, welcher durch das komplette Ruhrgebiet führt. Interessenten können sich im Besucherzentrum Ruhr in Essen umfassend informieren, zum Beispiel auch über aktuelle Veranstaltungen und Events. Die wichtigsten Attraktionen der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet sind in Anker-, Panorama- und Siedlungspunkte unterteilt und dementsprechend aufgeteilt. Aufgrund der Vielfalt der Industriegeschichte im Ruhrgebiet gibt es bisher 25 einzelne Themenrouten, die ein spezielles industriehistorisch-regionales Thema aufgreifen und zu über 500 Attraktionen und Sehenswürdigkeiten führen. Alle wichtigen Städte des Ruhrgebiets sind Teil dieser Ferienstraße und dieser Themenrouten.
Wichtige Ankerpunkte sind zum Beispiel das Ruhrlandmuseum in Essen, der Landschaftspark in Duisburg, das Umspannwerk in Recklinghausen oder auch der Zeche Zollern in Dortmund. Außerdem gibt es die so genannten Panoramapunkte. Dahinter verbergen sich Attraktionen, die dem Besucher eine gewisse Aussicht eröffnen. Meist handelt es sich dabei um alte Halden oder Anhöhen; es gibt aber auch hohe Gebäude als Panoramapunkte. Alle Panoramapunkte sind durch die Themenroute 25 miteinander verbunden. Wer sich für typische Siedlungs- und Wohnformen der Industrialisierung interessiert, sollte die so bezeichneten Siedlungspunkte aufsuchen, die auch in der Themenroute 19 zusammengefasst sind.
Auf der Strecke der Route der Industriekultur liegt die Essener Zeche Zollverein (externer Link), ein ehemaliges Steinkohlebergwerk. Manchmal wird das Doppelbock-Fördergerüst von Schacht 12 auch als Eiffelturm des Ruhrgebietes bezeichnet. Hier befindet sich zudem das bereits angesprochene Besucherzentrum, weswegen dieser Ort als Ausgangspunkt einer Erkundung dieser Ferienstraße ideal ist. Die Zeche wurde 1986 stillgelegt und förderte davor 12.000 Tonnen Kohle am Tag. Einen Besuch lohnt auch das Ruhr-Museum (externer Link), welches in der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein in Essen befindet. Das Ruhr-Museum zeigt nicht nur die industrielle Geschichte, sondern die gesamte Natur- und Kulturgeschichte des Ruhrgebietes.
Wenn man der Route der Industriekultur von dort in Richtung Westen folgt, kommt man zum Gasometer in Oberhausen (externer Link). Dieser diente bis 1988 als Zwischenspeicher für Gas und ist heute ein beliebter Ausstellungsort: wechselnde kulturelle Veranstaltungen in einzigartiger Umgebung ziehen Besucher aus dem In- und Ausland an. In 2011 erfolgt eine Ausstellung über die großen Natur- und Kulturdenkmäler der Erde. Besonders empfehlendwert ist außerdem ein Blick vom Dach des 117 m hohen Industriedenkmals, von wo man den Verlauf des Rhein-Herne-Kanals gut nachvollziehen und weit über Oberhausen hinaus blicken kann. In Oberhausen befindet sich außerdem das LVR-Industriemuseum (externer Link), welches eine Ausstellung über 150 Jahre Eisen- und Stahlgeschichte an Rhein und Ruhr zeigt. Dabei führen in der ehemaligen Walzhalle der Zinkfabrik Altenberg neun Ausstellungseinheiten durch die Welt des Eisens und der Montankonzerne.
In Mühlheim an der Ruhr befindet sich das Aquarius-Wassermuseum (externer Link). Der 1893 von Thyssen gebaute Wasserturm diente als Wasserversorger für den Industriebetrieb in einem nahe gelegenen Eisenwerk. Heute befindet sich in den Räumlichkeiten ein Museum, welches sich über 14 Ebenen und 30 Stationen erstreckt. Besonders für Kinder eignet sich ein Besuch dieses interaktiven Museums zum Thema Wasser und Gewässerschutz. Aber auch Erwachsene werden eine Freude an den verschiedenen Stationen haben.
Die Route der Industriekultur führt außerdem nach Bottrop. Auf der Halde der Zeche Prosper entstand der so genannte Tetraeder. Dieses Bauwerk aus Stahl ist ein besonderer Aussichtspunkt. Schon der Aufstieg vermittelt dem Besucher ein Gefühl für die Kohleförderung und Stahlproduktion. Ein wunderbares Panorama legt sich des Weiteren auf dem Tippelberg in Witten dar. Über 130 m oberhalb der Ruhr eröffnet sich für Interessierte bei gutem Wetter eine tolle Aussicht über das Ruhrtal. Besichtigt werden kann hier auch ein aus Ruhrsandsteinquadern errichtetes Bergdenkmal.
Ein Gefühl dafür, wie die Arbeiter während der Industrialisierung gelebt haben, erhält man in Arbeitersiedlung Eisenheim (externer Link) in Oberhausen. Die erste Arbeitersiedlung der Region wurde bereits 1846 erbaut und beherbergte zeitweise über tausend Bewohner. Heute sind noch 38 dieser charakteristischen Häuser, die inzwischen unter Denkmalschutz stehen, erhalten. Die Siedlung kann auf einer gekennzeichneten Route kennengelernt werden; außerdem gibt es das kleine Museum Eisenheim im ehemaligen Waschhaus zu besichtigen.
Insgesamt betrachtet, führt die Route der Industriekultur zu vielen bedeutenden Industriedenkmalen im Ruhrgebiet. Vor Ort kann man die Geschichte der Industrialisierung hautnah erleben und das Leben der Arbeiter in der Zeit der Kohleförderung und Verhüttung nachvollziehen.
Route der Industriekultur Verlauf und Karte
Die Route der Industriekultur bietet mit 25 Themenrouten sehr viele Sehenswürdigkeiten und Attraktionen, so dass die folgende Karte (PDF-Datei, externer Link) nur eine grobe Übersicht über den Verlauf dieser Ferienstraße bieten kann.
ExtraSchicht – Die Nacht der Industriekultur
Ob Fördertürme, Waschkaue oder Eisenhütten: Sie sind Wahrzeichen der Metropole Ruhr und stehen auch für den Wandel in dieser Region; überall im Ruhrgebiet findet man diese Zeitzeugen der Montanindustrie. Sie bilden jedes Jahr im Sommer im Rahmen der ExtraSchicht (externer Link) die eindrucksvolle Kulisse für außergewöhnliche Kulturinszenierungen. Die nächsten Termine sind der 30. Juni 2012 und der 6. Juli 2013.
Ruhrtriennale
Die Ruhrtriennale ist ein mehrwöchiges spartenübergreifendes Kulturfestival im Ruhrgebiet, wobei die herausragenden Industriedenkmäler der Region als Auftrittsorte und zugleich Raum für die künstlerische Auseinandersetzung fungieren. Die Ruhrtriennale 2011 (externer Link) findet vom 26. August bis zum 9. Oktober 2011 statt.
Weitere Links zur Route der Industriekultur