Am nächsten Morgen erwacht ging es sogleich mit einer Überraschung los.
Alexej, ein alter Seebär, der schon in Rostock bei der russischen Armee gedient hatte und deshalb etwas Deutsch sprach, holte uns mit seinem Beiboot ab. Dieses 3 Meter lange, überaus wackelige Gefährt bot uns 7 Personen gerade eben so Platz. Damit fuhr er uns in die Stadt.
St. Petersburg überraschte uns mit seinen gut renovierten Bauten. Das Flair einer westlichen Metropole breitete sich wie auch schon in Riga bei uns aus.
Ziel für Eva und Didi war zunächst der Busbahnhof, weil sie am nächsten Tag in Tallinn den Flieger zurück nach Deutschland erreichen mußten. Der andere Teil der Crew ging in die Hermitage, eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt (siehe Fotos links). Mit unserem Studentenausweis kamen wir kostenlos in das Museum. Bereits am Eingang war uns klar, dass wir hier einige Zeit verbringen würden. Bilder von berühmten Künstlern wie da Vinci, Casper David Friedrich, Monet, Picasso, … - es wäre eine nicht enden wollende Liste.
Die Sammlung der ägyptischen Abteilung und der römischen Statuen wurden von uns nur kurz besichtigt, schließlich wollten wir von den oben genannten Kunstwerken unsere Eindrücke sammeln.
Weiter ging es zu flämischen und italienischen Meistern. In einem großen und prächtigen Raum standen plötzlich Menschenmengen. Hier reihten wir uns ein und konnten die Bilder von da Vinci bestaunen. Anders als in vielen anderen Museen sind die Bilder hier nur durch normales Fensterglas geschützt, was die Farben der Bilder nicht wesentlich verändert. Nach Stunden des Suchens durch die Räume fanden wir Werke von Casper David Friedrich in einem Raum.
Neben den Gemälden war aber schon das Gebäude als solches sehr eindrucksvoll. Der Thronsaal, verschiedene Spiegelsäle und Kaminzimmer vermittelten uns einen kleinen Eindruck vom Hofleben der Zaren. Die vier Stunden, die wir dort verbrachten, gaben uns nur einen kurzen Eindruck der Sammlung.
Wir hatten wohl den ersten Tag erwischt, an dem es reichlich Sonne gab. Die Straßen waren belebt und die Parks von sonnenhungrigen St. Petersburgern bevölkert. So setzten auch wir uns in einen der Parks, um die Abendstimmung der Stadt zu genießen. Von der Sowjetzeit vor der Perestroika war für uns im Stadtzentrum nicht viel zu bemerken.
Auf unserem Weg zurück zum Schiff machten wir uns dann auf die Suche nach einem Supermarkt, um vor der Weiterreise nach Finnland noch einmal günstig einzukaufen. Dies war ein schwierigeres Unterfangen als wir dachten. Denn erst am nächsten Tag hatten wir Erfolg mit unserer Suche. Ein kleines магазин (Magazin), was einem Kiosk entspricht, bot auf rund zehn Quadratmetern so ziemlich alles was wir brauchten.
Abschließend bleibt zu erwähnen, dass wir leider nicht annähernd genügend Zeit hatten, um diese Metropole, mit rund fünf Millionen Einwohnern immerhin die viertgrößte Stadt Europas, ausgiebiger zu erkunden. Doch unsere erwartete Ankunft in Kotka erlaubte uns leider keinen längeren Aufenthalt. Ferner wußten wir nicht, was uns am Tag unserer Abreise noch an der Border Control erwarten würde.
So schliefen wir etwas wehmütig unter der nicht untergehen wollenden Sonne Rußlands ein.