Reiterferien Österreich: Wanderreiten im oberösterreichischen Mühlviertel

Paradies für Cowboys und Aussteiger

"Abenteuer-Trailritte" und "Aussteiger-Reiten" gehören zu den beliebtesten Wochentouren, die die Ferienregion Mühlviertel und der Landesverband für Tourismus in Oberösterreich anbieten.
Eine kleine Erfrischung gefällig? Kein Problem bei einer Wanderreittour durch das oberösterreichische Mühlviertel.
Allein gelassen wird niemand bei seinen Wanderritten. Seit 1995 gibt es eine spezielle Reitwanderkarte, die Ross und Reiter den Weg weist. (Fotos: LVT OÖ)

„Pass auf, wenn wir in den Fluss reiten. Bob badet gern“. Markus nimmt den Ratschlag nicht so ernst. Kaum aber spürt sein Schimmel das erfrischende Nass der Waldaist um seine Beine, legt er sich samt Reiter genüsslich in die Fluten. Tropfnass und von Gelächter begleitet, reitet Markus zurück auf die Wiese. Er nimmt es gelassen, denn beim Wanderreiten im Mühlviertel muss man mit allem rechnen.

Robuste und ausdauernde Pferde

Das Paradies für Aussteiger, Naturfreaks und Reiter liegt in Oberösterreich, zwischen Donau und Böhmer Wald, etwa 50 Kilometer von Linz. Dunkelgrüne Wipfelmeere überziehen sanft gerundete Hügel. Blumenbunte Heuwiesen schließen sich an. Hier und da rinnt ein Bächlein aus dem Wald. Doch Markenzeichen des Mühlviertels sind seine Steine. Dunkelgrau, teils moosbewachsen, tauchen die riesigen Granitfelsen hinter jeder Wegbiegung auf, bewachen Wald und Hügel.

Die hübsche Grauschimmelstute „Mona Lisa“ kennt das ausgedehnte Reitgebiet fast so gut wie ihre heimatliche Koppel. Die Tochter eines irischen Connemarahengstes und einer österreichischen Warmblutstute trabt selbst nach stundenlangem Ritt noch frisch durch die Gegend. Überhaupt zeichnen sich die robust gehaltenen Pferde des Reiterhofs Kern durch ausgezeichneten Zustand und Kondition aus. Ob Billy, der Haflinger, Carlo, der bunte Schecke, oder die unermüdlichen Criollos aus Argentinien - sie alle sind zuverlässig und ausdauernd.

„Trab' ma mal“, ordert Felix an der Spitze der Reitertruppe, was nach einigen Tritten unweigerlich in einem atemlos schönen Galopp endet. Den oberösterreichischen Cowboyhut tiefer in die Stirn gezogen, wiegen wir im Einklang mit dem Pferdekörper, fliegt die Landschaft verschwommen vorbei.

Eingeschworene Aussteiger

Zwischen saftigen Wiesen steht ein trutziger Bauernhof, winkend grüßt ein Mann in Jeans und Holzfällerhemd und stellt sich als Willi vor. Bei ihm gibt es Mittagessen, nachdem die Pferde abgesattelt, getränkt und zum Wälzen und Fressen auf die Koppel entlassen sind. Willi, ein richtiger Naturmensch, zählt zu den eingeschworenen Aussteigern dieser Region. Vom Stress im Beruf die Nase voll, lebt er nun auf seinem Hof und versorgt sich selbst mit allem, was die Natur und die Tiere ihm bieten. In der ofenwarmen Stube heizt selbstgebrannter Schnaps den Reitersleuten noch zusätzlich ein, bevor wieder der Sattel mit der Holzbank getauscht wird.

Rückbesinnung auf die Natur

Durch tannenzapfenübersäte, schmale Pfade, über Feldwege und durch kleine Dörfer führt der Ritt weiter hügelauf, hügelab durch eine Landschaft, die allein schon einen „Erholungseffekt“ auslöst. Die Bewohner des Mühlviertels haben sich längst auf die Reitwanderer eingestellt. Ein Lebensmittelgeschäft installierte neben den Fahrradständern einen Anbindebalken für Pferde. Die Devise heißt „Rückbesinnung auf die Natur“. Da etablieren sich immer mehr Bio-Bauern, lebt der Beruf des Strohflechters wieder auf, werden Lederstiefel noch handgemacht und nach Maß gefertigt.

Eine perfekte Urlaubsmischung

Seit 1995 gibt es sogar eine spezielle Reitwanderkarte, auf der die 260 ausgeschilderten Reit-Kilometer eingezeichnet sind. Neben den üblichen Ferien auf dem Reiterhof wird jetzt auch der Urlaub mit dem eigenen Pferd zum planbaren Vergnügen. Nahezu in jedem Ort findet sich ein Gasthof, wo der Reiter sein müdes Haupt betten kann und sein Pferd ein bequemes Lager mit Heu und Stroh, manchmal sogar mit einer Koppel findet.

Aber auch Reitwander-Veranstalter Felix Kern lässt sich für seine Gäste immer wieder etwas Neues einfallen. Ob Aussteigerwochen mit Übernachtung am Lagerfeuer, Goldschürfertrails oder Zweiländerritte nach Südböhmen - der Mühlviertel-Cowboy hat offensichtlich das richtige Feeling für eine perfekte Urlaubsmischung.

Ein Nachtritt als Schlusspunkt

Die Zeit im Sattel verfliegt viel zu schnell. Schon heißt es Abschied nehmen. Nur die Sterne funkeln über der kleinen Reitertruppe, die im Stockfinstern das Dorf zu einem letzten Nachtritt verlässt. Der Viertakt des Schritts, das Klappern der Hufeisen und Schnauben der Pferde, selbst der Duft nach Tannennadeln im Wald - alles wird jetzt noch viel intensiver wahrgenommen. Kaum zu glauben, wie sicher und zuverlässig die Pferde ihren Weg finden - selbst im Trab und Galopp. Gesprochen wird wenig. Denn jeder genießt diesen Schlusspunkt der herrlichen Reitertage im Mühlviertel.

Susanne Kappmeier

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Tipps für Reisen

Informationen

Das Mühlviertel liegt im nördlichen Oberösterreich, zwischen Donau und Tschechischer Grenze/ Böhmerwald. Die beste Reisezeit für Reiter ist vom Frühjahr bis zum Herbst, wo auch spezielle Winterritte durchgeführt werden.

Anforderungen

Alle Ausbildungsstufen, gute Kondition bei mehrtägigen Ritten erwünscht. Für „Wanderreiten ohne Begleitung“ sind unbedingt gute Reitkenntnisse notwendig.

Pferde: Durchtrainierte Tourenpferde, die nervenstark und straßensicher sind.
Ausrüstung: Bequeme, winddichte und nässeabweisende Kleidung. Reithose, Handschuhe, eventuell Hut. Wanderreitschuhe sind zu empfehlen, da man in ihnen reiten und laufen kann.

Angebote

Die Ferienregion Mühlviertel und der Landesverband für Tourismus in Oberösterreich bieten verschiedenste Wochen-Touren an. Die empfehlens-
wertesten: „Abenteuer- Trailritte“ und „Aussteiger- Reiten“, inklusive Halbpension, Reitbegleitung und Pferd ab etwa 600 Euro pro Person.

Information

Tourismusregion Mühlviertel
Blütenstraße 8
A-4040 Linz
Tel. 0043/(0)732/ 73 50 20
Fax 0043/(0)732/71 24 00
e-Mail: muehlviertel(at)upperaustria.or.at

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